Die Störche sind wieder da!

Für die etwa 300 Storchenpärchen, die jährlich nach Groß-Gerau kommen, beginnt langsam aber sicher die Nistzeit. Während sich einige Nachzügler noch in ihren Winterquartieren in Afrika befinden, wird in Ginsheim an der Neu- und Nonnenau schon fleißig gebaut. Dabei suchen sich die Vögel immer wieder Strommasten als Nestplatz aus. Allerdings kann ihnen genau das zum Verhängnis werden, wie Silke Arnold vom Nabu erklärt. Herabhängende Äste oder Zweige können in Kontakt mit den Leitungen kommen. Die Folgen erstrecken sich von Funkenschlägen über Stromausfälle bis hin zu einem möglichen Abbrennen des Horsts. Genau zu so einem heftigen Stromschlag ist es am Sonntag, den 13.03., auf einem Mast der Mainzer Netze nahe der Neuau gekommen. Darauf wurde der Horst des Storchenpaares entfernt, um größeren Schäden vorzubeugen. Nun sucht das Storchenpaar ein neues Zuhause, um die Jungstörche auszubrüten und großzuziehen. Dabei ist es wichtig, die Horste so früh wie möglich zu entfernen, wenn sie eine Gefahr darstellen. Denn umso später der Horst entfernt wird, desto weniger Zeit bleibt, eine neue Bleibe zu finden und ein Nest zu bauen. Zudem muss auch für ausreichend Futter für den Nachwuchs gesorgt werden können. Störche fressen von Regenwürmern über Insekten und Kleintiere, wie Mäuse, alles was sie in den Schnabel kriegen. Währenddessen hat ein anderes Storchenpaar einen abgestorbenen Baumstamm auf der Nonnenau für sich entdeckt. Vorteilhaft für sie, da es bei einer Flügelspanne von bis zu 2,20 Metern manchmal gar nicht so einfach ist, ein geeignetes Plätzchen zu finden. Erwartet werden in den Ginsheimer Rheinauen fünf bis sechs Storchenpaare, die alle einen Brutplatz suchen. Claudia Ward vom Wildtierschutz betont, dass große Rollrasenflächen das Nahrungsaufkommen einschränken und das Abholzen von (abgestorbenen) Bäumen den Vögeln zusätzlich mögliche Nistplätze nimmt.

Eine Möglichkeit, den Störchen bei der Suche ihrer Bleibe entgegenzukommen ist, Masten mit metallenen Nestern aufzustellen. Diese Nisthilfen können entweder in der Natur oder sogar auf Hausdächern platziert werden. Dieses Grundkonstrukt können die Störche dann nach Belieben ausbauen. Allerdings ist dabei nicht garantiert, dass die Störche dieses Angebot auch annehmen, denn die Vögel sind sehr wählerisch. Auch besteht die Möglichkeit, dass die Störche verlernen könnten, sich in der Natur passende Räumlichkeiten zu suchen. Die Jungstörche schauen sich einiges von ihren Eltern ab, vor allem aber kehren sie später dahin zurück, wo sie geboren werden. Viele Storchfreund*innen hoffen, dass der Nachwuchs von Anfang an lernt, nicht oben auf den Strommasten zu bauen. Störche bleiben ihrem Horst treu, sie brüten also am liebsten jedes Jahr im selben Nest und bauen dieses immer weiter aus. Dabei kann ein Horst mehrere Meter hoch und bis zu zwei Tonnen schwer werden.

Juli Sixel



25.03.2021