Landwirt Hubert Hübner und die Bauernbrücke

„Ich möchte einfach nur legal zu meinem Ackerland fahren.“

Hubert Hübner ist Landwirt und bewirtschaftete bis zu Sperrung der Bauernbrücke seine gepachteten Flächen auf der Neuaue. In diesem Beitrag erzählen wir euch seine Geschichte.

 

Oft schmunzeln musste ich, als ich mich mit Hubert Hübner am roten Pfosten traf, der aktuell die Bauernbrücke für PKWs und Traktoren versperrt. Seine Erzählungen sind humorvoll, sachlich fundiert und praktisch erklärt. Er ist kein Querulant, der sich einfach mal aus Spaß mit der Stadt GiGu anlegt, sondern ein Landwirt, der mit Traktor und Schlepper zu seinen Flächen auf der Neuaue fahren möchte – und das auf legalem Weg, ohne Damm oder Brücken zu beschädigen. 

„Also, der Bürgermeister und ich reden noch miteinander, aber nicht über die Brücke“, sagt Hubert lächelnd, der vor drei Jahren Klage gegen die Stadt Ginsheim-Gustavsburg einreichte. Er sei sich bewusst, dass Fehlentscheidungen schon deutlich früher getroffen wurden, als das aktuelle Stadtoberhaupt im Amt sei. Auch wenn sich das Problem augenscheinlich am roten Pfosten manifestiert, sei es ihm schon lange nicht möglich, legal zu seinen Flächen zu gelangen. Grund dafür sei ein Schild, dass die Überfahrt verbiete. Und auch wenn man die Sperrung der Brücke aufgeben würde, sei ihm nicht final geholfen, denn ein offizieller Weg zu den Äckern setze eine Brücke von 4,5 Metern Breite und einer Traglast von 40 Tonnen voraus. Eine Anforderung, die die Bauernbrücke mit ihrer Breite von 3,3 Metern weit unterschreitet. „Und ich kann mir mein Getreide ja nicht in den Kofferraum vom PKW laden, mit dem ich dann drüber dürfte“, so Landwirt Hubert Hübner.

 

Wie mit einem Kamel durchs Nadelöhr

„Ich möchte nicht den Dammfuß zerstören“, erwidert Hubert Hübner auf meine Frage nach alternativen Wegen zu seinen Ackerflächen. Die gebe es zwar theoretisch, aber nutzbar seien sie nicht. Er müsse mit Traktor und Schlepper einen 12 km Umweg über Trebur in Kauf nehmen und dabei den Dammfuß befahren. „Wenn ich da drei Mal mit dem Traktor drüber bin, sind die Stellen nicht mehr befahrbar. Damit Traktoren keinen Schaden am Damm anrichten, müsste der Weg befestigt werden. Den 12 km Umweg würde ich akzeptieren, aber ich glaube, dass eine neue Brücke deutlich weniger kostet als die Befestigung des Dammfußes“, so der Landwirt.

Auch über die Sperrtorbrücke, bei der zwei geschlossenen Schranken die Nutzung für Fahrzeuge verhindern, ist es theoretisch möglich, zu Huberts Ackerland zu gelangen. Neben der Schranken gebe es aber noch weitere Hürden, wie Hubert berichtete: „Ein Traktor mit Erntegerät hat eine Breite von 3,3 Metern. Die Brücke misst in der Breite 3,5 Meter und verläuft als Kurve. Die Fahrt mit einem Erntegerät wäre ein Kunststück, wie mit einem Kamel durchs Nadelöhr“, so der Landwirt. Zudem wurde die Technik der Sperrtorbrücke aktualisiert, so dass sie nach Vibrationen, wie sie ein Traktor auslöst, neu kalibriert werden müsse, was die Nutzung zusätzlich ausschließe.

Eine Verbreiterung der Sperrtorbrücke, die vor Jahren im Gespräch war, hätte 132.000 € gekostet. Abgelehnt habe man sie, weil angeblich Gespräche mit den Landwirten stattgefunden hätten, die mit drei Metern zufrieden seien. Hubert selbst und Landwirte, die er fragte, bestreiten diese Aussage.

 

„Einfach nur ein legaler Zuweg“

Immer, wenn Hubert mit seiner Mischung aus Witz und Verzweiflung erzählte, schoss mir ein Bild aus Kindertagen in den Kopf, indem mich der Landwirt an den freundlichen Papa Schlumpf erinnerte. Das verstärkte sich, als Hubert neben dem roten Pfosten stand, den er mit Hut nur leicht überragte. Genau wie sich Papa Schlumpf um das Wohlergehen seiner Schlümpfe sorgt, wünscht sich Hubert nichts sehnlicher, als „einfach nur einen legalen Zuweg zu meinen 6,5 Hektar großen Flächen“. 

Viel halte er übrigens von den Vorschlägen von Sigi Nachtmann, der sich – wie auch Hubert – bei den Freien Wählern GiGu engagiert. 

Abschließend wünscht sich Hubert, dass nicht nur Bewegung, sondern auch Geschwindigkeit in die Sache kommt, denn ansonsten würde er die Pacht der Flächen auf der Neuaue – die er aktuell nicht mehr bewirtschaften kann – nicht verlängern. 

 

Axel S.


Auf Nachfrage erzählte Sigi Nachtmann, dass auch er bedauere, dass sich in Sachen Bauernbrücke noch nichts bewegt habe. Das Hauptproblem sehe er darin, dass nicht klar ist, wem die Brücke gehöre – ob Mainz oder Ginsheim-Gustavsburg. Hintergrund sei, dass die Brücke 1914 von Ginsheimer Bauern gebaut wurde und unklar ist, ob durch die Eingemeindung nach Mainz im Jahr 1933 die Besitzverhältnisse geändert wurden. „Wir brauchen eine Festlegung, wem die Brücke gehört“, ist sich Sigi sicher.

Natürlich wäre Sigi Nachtmann nicht Sigi Nachtmann, wenn er sich nicht noch konkreter einbringen würde. So knüpfte er u.a. einen Kontakt zur Firma Janson Bridging, die eine Mietbrücke hätte zur Verfügung stellen können. Einen weiteren Kontakt baute er zu einem Gutachter auf, der für 2.600 € die Belastbarkeit der aktuellen Brücke messen könne. 




08.04.2021