In der Turnhalle der Martin-Buber-Schule wird auch am Wochenende geimpft

Redakteur Norbert Fluhr über seine Impf-Erfahrung

Das medizinische Personal ist auch am Wochenende in der Turnhalle der Martin-Buber-Schule aktiv. Aber nicht nur die Ärzte und Krankenpfleger arbeiten bis zum Anschlag, sondern auch Menschen, die derzeit ihre Tätigkeit in Unternehmen oder Behörden unterbrochen haben, um sich mit großer Aufmerksamkeit und Empathie den registrierten Erstimpflingen zu widmen. Mit 69 Jahren gehöre ich zwar nicht zu dem Kreis der Impfberechtigten mit hoher Priorität, da ich aber meine 93-jährige demente Mutter täglich in Mainz betreue, darf ich mich gemäß der Coronavirus-Impfverordnung dem kleinen Piks unterziehen. Die ausgedruckten Formulare habe ich alle sorgfältig ausgefüllt und unterschrieben. Um 12 Uhr habe ich meinen Impftermin, vorsorglich fährt mich mein Schwager nach Groß-Gerau. Man weiß ja nie, ob mit der Impfung Nebenwirkungen verbunden sind. Mich stört es nicht, dass eine Schutzimpfung mit dem Vektor-Impfstoff Vaxzevria vollzogen wird. Auf dem Anamnese-Formular gibt es einen Hinweis auf das Vaccine AstraZeneca und Covid-19 Vaccine Janssen von Johnson & Johnson, der mich aber nicht irritiert. Vom Parkplatz aus gelangt der Impfwillige auf dem gekennzeichneten Weg in den Eingangsbereich der Turnhalle. Die meisten haben schon ihre Maske über den Mund und die Nase gezogen. Abstandhalten gilt selbstverständlich auch hier. Erleichtert kommen viele bereits Geimpften an der Warteschlange vorbei. „Ich bin mit Biontec geimpft worden“, murmelt die hochbetagte Dame, die von ihrem Ehemann begleitet wird. Ihr im gleichen Alter befindliche Gatte findet, dass die Impfung mit dem Vakzim „AstraZeneca“ für ihn auch kein Problem war. Ich nehme aber auch skeptische Stimmen wahr, Menschen, die angesichts der Erstimpfung Befürchtungen hegen, für einige Tage über Muskelverhärtungen oder Fieber klagen müssen. Gleichwohl gibt es keinen, der an diesem Morgen seine Entscheidung bereut, oder gar den Rückweg antritt. Im Eingangsbereich der Turnhalle wird das Fieber gemessen. Jeder Impfwillige muss sich in einem Rechteck positionieren, die Maske nach unten ziehen und sein Körperposition in Richtung Wärmebild-Kamera richten. Eine visuelle Momentaufnahme, die im Hinblick auf eine fiebrige Erkrankung zum „No go“ führt. Jetzt muss wieder die Maske hochgezogen werden. Mehrere Kabinen sind in der Turnhalle errichtet worden. Eine Glasscheibe dient dem Schutz der Mitarbeiter und den Platz nehmenden Kunden. Jetzt werden alle mitgebrachten Unterlagen nebst Impfausweis gesichtet und gescannt. Ein kleines Lob erhalte ich von der netten Mitarbeiterin ob der Tatsache, dass die notwendigen Formulare vollständig sind. Mit der freundlichen Dame komme ich ins Gespräch und vermute, dass sie in einem Unternehmen im Service-Bereich tätig ist. Ein Trugschluss, denn normalerweise arbeite sie in der Buchhaltung und durchforste arithmetische Zahlenwerke. 

Keine langen Wartezeiten gibt es bei dem Krankenpfleger, der die Impfung vorbereitet, bevor der Arzt gerufen wird und mir das Vakzim völlig schmerzlos injiziert. Im Beobachtungsraum sollten sich die Frisch-Geimpften noch eine Viertelstunde aufhalten, um bei potenziell auftretenden Nebenwirkungen medizinisch betreut zu werden. Zum Schluss lege ich meine Impfunterlagen bei einem Mitarbeiter vor, nochmals wird gescannt und dann geht es zurück zum Parkplatz. Eine halbe Stunde hat die ganze Prozedur gedauert. Da darf man sich glücklich schätzen, nunmehr zu den Geimpften zu gehören. Im Juli steht die zweite Impfung an. Wünschenswert wäre, wenn die Impfbereitschaft sich in unserer Gesellschaft in dem Bewusstsein stärken würde. Corona kann man nicht besiegen, aber gegen die Pandemie kann man etwas tun.

Norbert Fluhr



22.04.2021