Ein Jahr Corona – „Eine Mammutaufgabe liegt vor uns!“

Landrat Thomas Will im GiGu to go Interview

In einer »GiGu to go Sondersendung« sprach Moderator Axel S. am Sonntag, den 11.04. mit Landrat Thomas Will über Corona im Kreis Groß-Gerau. Dabei schauten sich die beiden Ausschnitte aus den „Corona-Interviews“ von vor einem Jahr an und sprachen über die heutige Position des Landrats. Die Sendung wurde auf Rhein-Main TV ausgestrahlt und ist nach wie vor in der Mediathek auf www.gigutogo.de zu sehen. 

 

Um die flächendeckenden Antigenschnelltests (werden derzeit kostenlos von Apotheken und Schnelltestcentern angeboten) ging es zu Beginn des Interviews. Wenn man die Anzahl der durchgeführten Tests und die positiven Testergebnisse in Relation zu einander setzt, erhält man einen Wert von rund 1,5 %. Axel S. wollte von Thomas Will wissen, wie er zu den Zahlen stehe, die angesichts des hohen Infektionsgeschehens „fast schon beruhigend wirken“. „Wir haben noch einiges zu tun“, antwortete der Landrat. Viele der Menschen, die regelmäßig kostenlose Testangebote in Anspruch nehmen, seien Wiederholungstäter. „Es gibt noch eine hohe Dunkelziffer, die wir durch flächendeckendes Testen erkennen würden“, so Thomas Will. Er rief dazu auf, die kostenlosen Schnelltests ohne Anlass regelmäßig in Anspruch zu nehmen. Als positiv empfinde er die Qualität der Tests. So wurden von den 112 positiven Schnelltestergebnissen des Deutschen Roten Kreuzes 108 Infektionen mit einem nachträglichen PCR-Test bestätigt, was eine hohe Quote sei.

 

Ist Corona bei den Menschen schon angekommen?

Vor einem Jahr (22. März 2020) fragte Axel S. den Landrat im Interview, ob die Coronakrise bei den Menschen schon angekommen sei? Damals antwortete er, dass er drei Gruppen sehe. 20 bis 25 % würden das Ganze nicht ernst nehmen, eine gleich große Gruppe habe Angst und reagiere teilweise über und eine große Gruppe nehme die Sache angemessen ernst und verhalte sich sehr positiv. „Ich glaube, es gibt immer noch drei Gruppen, aber die Extreme sind größer geworden“, sagt der Landrat heute. Dies sehe er sowohl bei den Befürwortern, als auch den Gegnern der Maßnahmen. Besondere Sorge bereite ihm die veränderte Sprache, die nicht mehr auf dem Sachniveau von vor einem Jahr sei. „Ich habe Verständnis dafür, denn Corona nervt uns alle  – aber ich hoffe, dass dieses Phänomen nach der Pandemie die Gesellschaft nicht weiter spaltet“, so Thomas Will.

 

„Wir müssen weit unter 50 und dort auch stabil sein“

Auch für die Corona-Maßnahmen erhalte die Kreisverwaltung sowohl positives als auch negatives Feedback. „Es gibt Verständnis, Ablehnung bis hin zu Beleidigungen, aber da müssen wir durch“, so Thomas Will. Besonders polarisierend seien dabei die Themen Ausgangsperre, Fitnessstudio und Kindertagesstätte. 

Anmerkung der Redaktion: Die Ausgangsbeschränkung von 21 bis 5 Uhr morgens wurde zwischenzeitlich durch ein Gerichtsurteil gekippt. Zwei Personen aus dem Kreis Groß-Gerau hatten Klage eingereicht.

 

Kommt das Gesundheitsamt des Kreises Groß-Gerau mit der Nachverfolgung hinterher?

Manchmal sei die Nachverfolgung schwierig, berichtet Landrat Thomas Will aus der Arbeitspraxis des Gesundheitsamtes. „Manche sagen uns nicht immer die Wahrheit“, beklagt der Landrat. 

Beispielsweise gaben Infizierte, die sich mit sieben Menschen trafen, teilweise an, nur mit fünf Personen Kontakt gehabt zu haben, was zu Problemen in der Kontaktnachverfolgung führt. Auch bei der Angabe von Daten gebe es oft Fehler, wie beispielsweise Zahlendreher bei Handynummern, was aufwendige Recherchen nach sich ziehe. 

 

Sind wir noch vor der Lage?

In einem Interview am 25.03.2020 betonte Thomas Will, dass es wichtig sei „vor der Lage“ zu bleiben um rechtzeitig reagieren zu können, wenn Krankenhauskapazitäten knapp werden. Aus heutiger Sicht erzählt er, dass es im Herbst mal eine Situation gegeben habe, wo die Kapazitäten in Südhessen knapp wurden. Im Anschluss habe man aufgerüstet, so dass heute die Kapazitäten in der Kreisklinik zusammen mit der Klinik in Rüsselsheim als Kooperationspartner ausreichen. „Aber, ich kann nicht sagen, wie es in zwei oder drei Wochen aussieht“, so Landrat Thomas Will.

Für die nächste Zeit wünscht sich Thomas Will klare Entscheidungen aus Berlin, um die Inzidenzzahlen mit einem gemeinsamen Handeln nach unten zu fahren. Auch abgestimmte Entscheidungen zwischen den Bundesländern halte er für wichtig, „damit es nicht in Mainz andere Regelungen gibt als in Ginsheim-Gustavsburg und Bischofsheim“. 

Die Menschen bittet er, die nächsten acht bis zehn Wochen noch durchzuhalten. Als Mammutaufgabe bezeichnet er die notwendigen Aufbaumaßnahmen nach Corona im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialbereich. „Ich wünsche mir, dass wir das, was in der Pandemie verloren gegangen ist, dann wieder aufbauen können, denn es darf nicht noch einmal passieren, dass wir so unvorbereitet in eine solche Situation gelangen“, so Landrat Thomas Will.



22.04.2021