Zwei Studierende aus Gustavsburg im Interview

Uni zu Coronazeiten

Vorab: Wir – die Autorinnen dieses Artikels – sind selbst Studentinnen, nehmen die aktuelle Situation ernst und sind selbst immer wieder auf der Suche nach dem Umgang mit Corona, denn: Corona nervt und die veränderte Situation belastet. Weil wir in Gesprächen mit Kommilitonen oft die Auswirkungen von Alleinsein und Einsamkeit spüren, werfen wir mit diesem Artikel einen Blick auf das Leben von Studierenden zu Coronazei­ten und sprachen dafür mit Annalena und Sebastian aus Gustavsburg.

 

Das typische Studentenleben ist geprägt vom Ausschlafen, jeden Tag die Chance zu haben, neue Leute kennenzulernen, feiern zu gehen und vielleicht aufgrund vom Zeitdruck, eine Klausur zu verschieben. Die meisten der aufgezählten Dinge sind mittlerweile seit mehr als einem Jahr für Studierende nicht mehr so möglich, wie sie es gewohnt waren. Ein Gustavsburger Student und eine Gustavsburger Studentin haben uns berichtet, wie ihr Studentenalltag aussieht und was sie momentan beschäftigt:

 

Annalena Silz studiert im vierten Semester Gesundheitsbezogene Soziale Arbeit und macht gerade ein Semesterpraktikum in der stationären Jugendhilfe. Sebastian Schade studiert im zweiten Mastersemester Politische Ökonomie und Internationale Beziehungen. Die beiden Studierenden empfinden die Pandemiesituation und die Bedingungen der Online-Uni als belastend. Vor allem vermissen die beiden die Präsenzlehre, da sich ihr Alltag komplett geändert hat. So berichtet Sebastian: „Mein aktueller Studienalltag beschränkt sich leider ausschließlich auf das Homeoffice und die digitalen Angebote der Universität.“ Auch das Beisammensein mit anderen Mitstudierenden ist während der Pandemie schwierig. Zwar gibt es über Online-Plattformen Kontakt zu anderen Studierenden, dieser beschränkt sich jedoch meistens auf organisatorische oder inhaltliche Rückfragen. Auch Annalena belastet diese Situation: „Ich habe nur wenig Kontakt zu meinen Kommilitonen. Mit zwei Freundinnen schreibe ich manchmal, aber gesehen habe ich seit über einem Jahr keinen.“ Nicht immer, aber oftmals, fühlen sich Studenten, so auch Annalena, allein gelassen und vor große Herausforderungen gestellt, da die Online-Uni viel Selbstdisziplin, Durchhaltevermögen und eigenes Erarbeiten von komplexeren Themen bedeutet. Das spiegelt sich leider auch meistens in den Noten wider, wie Annalena zugeben muss. Sebastian dagegen fühlt sich von der Uni gut aufgefangen, da diese verschiedene Hilfsangebote leistet, auch die Professor*innen sind bemüht, die Studierenden weitestgehend zu unterstützen.

Beide sind sich aber einig, dass die Gruppe der Studierenden in der Politik und den Medien während der Pandemie zu wenig berücksichtigt wird. Trotz allem können die beiden die Maßnahmen aber nachvollziehen und schauen positiv in ihre berufliche Zukunft. Dafür könnte das Arbeiten von Zuhause aus, für Sebastian, sogar eine gute Grundlage schaffen. Dennoch vermissen beide das Miteinander und hoffen sehr, dass sich die Corona-Situation bald verbessert.

 

Unabhängig davon, dass wir alle auf eine schnelle Veränderung der Situation hoffen, merken wir immer wieder, dass es wichtig ist, die Dinge nicht mit sich selbst auszumachen. Annalena und Sebastian beschreiben eine Erlebniswelt, die viele Studierende kennen und wir danken den beiden sehr für ihre Offenheit. Vielleicht macht sie Mut, über die eigene Situation zu sprechen oder sie sorgt einfach dafür, dass sich Studierende weniger alleine fühlen.

 

Johanna Meier und Svenja Neuroth



06.05.2021