Bischofsheimer restauriert VW Bulli von 1972

Einblick in die Freizeitgestaltung des Hausmeisters vom Bürgerhaus

Nein – das Titelbild zeigt keinen glücklichen Neuwagenbesitzer von vor 50 Jahren. Zu sehen ist Günter Teuschel – vielen bekannt als Hausmeister und -techniker des Bürgerhauses Bischofsheim. Der orangefarbene VW Bus begleitet ihn seit rund vier Jahren – allerdings nicht als Vehikel, sondern als aufwendiges Restaurierungsprojekt. Dass der original VW T2 (AB) von 1972 heute nahezu fabrikneu aussieht, verdankt das Auto Günters Geschick, Geduld und seinen Werten. Viel Spaß beim Lesen der Geschichte über das ausgefallene Hobby des Bischofsheimer Bürgerhaus-Meisters.

 

„Die Wegwerfgesellschaft ist nicht mein Ding – was zu reparieren geht, wird repariert“, sagt Günter Teuschel, der mit dem orange/weißen VW Bus bereits seinen vierten Oldtimer restaurierte. Für Alltagsfahrten nutzt er den „Bulli“ natürlich nicht, wobei die Privatfahrzeuge der Familie Teuschel auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben. „Der Polo meiner Frau Martina ist 30 Jahre alt, mein Audi fährt seit einem viertel Jahrhundert. Warum soll ich Fahrzeuge wegtun, die uns zuverlässig von A nach B bringen? Vieles repariere ich selbst“, so der Oldtimerfan, der neben umfangreichem Know How mittlerweile einiges an Spezialwerkzeugen inklusive einer kleinen Hebebühne besitzt.

 

Der Weg ist das Ziel – kein Automuseum!

Alte Autos mit Charakter in liebevoller Kleinarbeit in ihren Originalzustand zurückzuversetzen bereitet Günter Teuschel große Freude. Das Sammeln der ins Entstehungsjahr zurückgebeamten Fahrzeuge ist ihm nicht wichtig. Um Platz für etwas neues Altes zu schaffen sucht Günter ab sofort einen Liebhaber, der dem nahezu perfekt restauriertem VW Bus ein neues zu Hause schenkt. Denn erst wenn seine Garage wieder frei ist, kann das nächste Olditmerprojekt starten. Um welche Marke oder Modell es sich handelt, weiß Günter noch nicht. Auch die bisherigen Restaurationen entstanden eher durch Zufall. Alles begann mit einem Opel Ascona B (Baujahr 1978), den Günter Anfang der 1990er Jahre aufarbeitete. Danach kaufte er einen VW Käfer Cabrio 1303 (Baujahr 1973), an den er sich noch gut erinnert. „Er war in einem schlechten Zustand. Ich dachte mir »entweder fahren wir ihn, bis er auseinander fällt – oder ich lege Hand an«“, so Günter, der im Anschluss zwei Jahre in die Wiederaufbereitung investierte. Noch älter war der Käfer, dem er sich im Anschluss widmete. Auch an der kleinen VW-Limousine von 1968 arbeitete er rund zwei Jahre. 

 

Gute Hände

Dass es Günter bei seinem Hobby nicht um Geld geht, wurde schnell klar, als ich mit ihm über die Anschaffungen der heruntergekommenen Fahrzeuge und den Verkauf als restaurierte Oldtimer sprach. Der VW Bus hat laut kleinem Gutachten (erfasst den Materialwert und ist für Versicherungen ausreichend) einen Wert von 30.000 €. Dies entspricht in etwa dem, was Günter in den vier Jahren in Anschaffung, Teile, Lackierarbeiten usw. steckte. „Wenn ich das beim Verkauf wieder bekomme, bin ich zufrieden. Meine Arbeitszeit rechne ich nicht“, erzählt Günter, der vor einigen Jahren einem potentiellen Käfer-Käufer eine Abfuhr erteilte. „Es ist mir wichtig, dass die Oldtimer in gute Hände kommen, die wissen und wertschätzen, was sie sich anschaffen. Ist dies nicht der Fall, sage ich »Ich verkaufe Ihnen das Auto nicht«“, so Günter. Sehr positive Erinnerung hat er an eine junge Frau, die einem restaurierten Käfer ein neues zu Hause gab. „Sie hatte bereits eine Spezialwerkstatt in petto, mit der sie sicher stellte, dass sich um das Auto gekümmert würde – sie wusste, was sie tat“, so der Autorestaurator, der damals der Mitte-20-jährigen den Käfer überlies.

 

Die Geschichte des VW Bus

Was es bedeutet, ein fast 50 Jahre altes Auto aufzubereiten, zeigen die letzten vier Jahre des organge/weißen VW T2 Busses. „Aussuchen konnte ich mir das Fahrzeug bei einem Händler aus Leverkusen, der immer mal fünf, sechs Busse aus den USA herüberholt. Mein Bulli kommt übrigens aus Kalifornien“, erinnert sich Günter, der sich bereits vor dem Kauf intensiv mit dieser Art von Fahrzeug beschäftigte, um zu wissen, worauf er achten musste. „Eine neu­ralgische Stelle ist beispielsweise die Fensterdichtung der Frontscheibe. Diese war im Original so dünn, dass Wasser eintrat und Rost entstand“, erzählt Günter, während er mir die von ihm eingesetzte dickere und schützendere Dichtung zeigt. 

Nach dem Kauf des Busses baute er die Innenteile und Verkleidung aus und ließ die Karosserie sandstrahlen. „Das böse Erwachen kommt immer nach dem Sandstrahlen“, sagt er schmunzelnd, denn dann sehe man, was an Roststellen entfernt werden müsse und genau diese Arbeit möge er gar nicht. Zum Glück war die Karosserie zu 90 % in Ordnung. Um die letzten 10 % zu perfektionieren, bat er Martin Riedl um Unterstützung, mit dem ihn seit der gemeinsamen Zeit im Bischofsheimer Radfahrverein eine Freundschaft verbindet. Martin beschäftigte damals in seiner Werkstatt einen geschickten Karosseriespengler, der rostige Stellen entfernte und die Einschweißarbeiten neuer Blechstücke übernahm.

Intensiv Bücher studierte Günter übrigens, bevor er den Bus zur Autolackeriererei TM-Color nach Ginsheim brachte. „Ich wollte genau wissen, wo beispielsweise im Türrahmen die Kante zwischen der orangenen und weißen Lackierung verläuft“, beschreibt Günter seine Recherchen und Begeisterung, wie die Autolackiererei seines Vertrauens die Arbeiten umsetzte. „Mit Vorarbeiten, wie Spachteln stand der Bus von Dezember bis März bei TM Color. Es war der Lackiererei wichtig, den Blechteilen nach den Vorarbeiten Zeit zu geben und diese vorm Lackieren genau zu begutachten um ein perfektes Ergebnis zu erhalten. Er hat einfach ein Gefühl für Oldtimer!“, erzählt Günter Teuschel, während er mit der Hand über die Lackschicht unterhalb des VW-Logos streicht. 

Damit der Bus nicht nur von außen, sondern auch von innen neuwertig wirkt, polsterte Günter die Sitze neu auf und bezog diese, wie auch die Innenverkleidung der Türen.

Egal, welche Stelle des VW Bullis man sich auch anschaut, es gibt nichts – außer dem 1970er Jahre Stil – was das Alter des Autos verrät. Weder Reifen, Radkappen oder ein Blick in den Motorraum, den ich nach längerem Suchen da vorfand, wo ich nur den Kofferraum vermutete. 

 

Auch wenn Günter an keinem eigenen Automuseum arbeitet, so hätte er den VW Bus gerne im letzten Jahr zur Oldtimerausstellung nach Rüsselsheim ausgeführt, die aufgrund von Corona abgesagt wurde. „Ich bin mit den Autos der 1970er und -80er groß geworden. Die Klassiker von Opel, VW, BMW oder Mercedes stellen für mich einfach etwas dar. Heute sehen alle Autos gleich aus, weshalb ich mich gerne an den Modellen von früher erfreue“, so der Oldtimer-Freund.

Zum Abschluss kamen wir dann doch noch einmal auf das Thema Geld. Denn auch wenn Günter die von ihm restaurierten Fahrzeuge quasi zum Selbstkostenpreis weitergibt, scheint es bei der Überlegung nach neuen Projekten einen finanziellen Rahmen zu geben. Auf meine Frage, ob er sich dem Porsche-Modell widmen würde, das man aus dem Film „James Bond – Goldfinger“ kennt, sah ich ihm daher zwei Reaktionen an. Zum einen rechnete er, zum anderen funkelten seine Augen. Vielleicht gibt es unter den Lesern dieses Artikels ja jemanden, der das nötige Kleingeld, filmhistorische Abenteuerlust aber nicht das handwerkliche Geschick besitzt und sich eine Kooperation vorstellen kann. So wie ich Günter kenne ist er auf jeden Fall gesprächsbereit. Und ob ihm bei einem solchen Oldtimer-Restaurationsprojekt wirklich ein „nein“ über die Lippen kommt, würde ich gerne erleben.

Axel S.



20.05.2021