Perspektive für die Bischemer Kerb 2021

In einer Videokonferenz am vorletzten Mittwoch (26.05.) tauschten sich Vereinsaktive, Vertreter der Bischofsheimer Gemeindeverwaltung und weitere, wesentliche Kerbe-Gestalter über mögliche Aktionen am Kerbe-Wochenende Anfang September aus. Aufgrund der Corona-Pandemie sagte der Gemeindevorstand einige Tage vor der Videokonferenz die Straßenkerb in gewohnter Form für dieses Jahr ab. Auch wenn die Aktiven den Grund der Absage nachvollziehen, kritisieren sie die Art der Kommunikation. „Die Vereine erfuhren durch die Presse von der Absage, was uns nicht gefallen hat“, sagt Christian Weinerth, Vorsitzender des Vereinsrings. „Wir hätten gemeinsam viel positiver an die Öffentlichkeit gehen können, wenn wir uns erst zusammengesetzt hätten“, sagt Holger Schneider von Hoti-Events. Die Ideen rund um das Kerbewochenende zeigen, wie die Bischemer Kerb in reduzierter Form stattfinden könne. „Diese optimistische Botschaft hätte ich mir gewünscht“, so Holger. Dass sich der Gemeindevorstand die Entscheidung nicht leicht machte und eine große Offenheit gegenüber der Vorschläge der Aktiven besteht, zeigt die Antwort des Bürgermeisters Ingo Kalweit auf die Frage, was er sich für dieses Jahr wünsche. „Toll wäre, wenn Corona morgen vorbei ist und wir normal Kerb feiern können. Da dies unrealistisch ist, freue ich mich darüber, dass Not erfinderisch macht und die Vereine mit Ideen aufwarten, die wir unterstützen“, so der Bischofsheimer Bürgermeister. Wie die Bischemer Kerb unter Pandemiebedingungen aussehen könnte, welche Herausforderungen es zu meistern gibt und was Bürgermeister, Vereinsringvorsitzender und der Hoti-Events-Veranstalter darüber denken, fasse ich für euch in diesem Beitrag zusammen.

„38 Leute waren der Videokonferenz zugeschaltet und lieferten Ideen“, berichtet Christian Weinerth, der das virtuelle Treffen als konstruktiv empfand. „Die Flamme wurde entzündet und ich freue mich über die Initiativen der Vereine“, so der Vorsitzende des Vereinsrings. Konkret boten Vereine mit eigenem Gelände an, dort Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. „Wir als Gemeinde ermutigten die Vereine, auf ihrem Gelände zusätzlich Fahrgeschäfte, wie z.B. ein Karussell, aufzustellen und können uns vorstellen, ein eigenes Event im Weindorf zu organisieren. Dort könnten sich dann auch Vereine ohne eigene Location beteiligen“, berichtet der Bürgermeister. 

Ein weiterer zentraler Gedanke drehte sich um Angebote für Familien. „Es entstand die Idee, auf dem Friedrich-Ebert-Platz Fahrgeschäfte zu platzieren, damit das Kerbewochenende nicht nur ein Highlight für Erwachsene ist“, so Christian.

Holger Schneider, der im vergangenen Jahr in Kooperation mit dem Bischofsheimer Ortsgewerbeverein – kurz: OGV – die „Bischemer Kerb – dehom“ ins Leben rief, ist ebenfalls bereit, sich einzubringen. „Ich unterstütze den SV07 bei Veranstaltungen, plane Online-Events mit Videofachmann Matthias Diehl und setze mich gerne für Öffentlichkeitsarbeit mit unseren Kooperationspartnern ein“, so Holger. 

 

Auch wenn der erste Austausch alle Beteiligten positiv stimmt, sind sie sich bewusst, dass die ungewisse Pandemiesituation eine besondere Herausforderung darstellt. „Es gibt viele Fragen von »wie ist das mit der GEMA?« über »wie organisiert man den Getränkeverkauf?« bis hin zum brennendsten Thema »wie ist das mit den Zugangskontrollen«?“, fasst Christian Weinerth zusammen. Gerade für den letzten Punkt wünsche man sich ein einheitliches Anmeldesystem, damit die veranstaltenden Vereine nicht zusätzlich mit dem Führen von Listen belastet werden. Befürwortet wird ein professionelles Reservierungssystem auch von Holger Schneider, der damit bei den von ihm organisierten „Kerbe“-Events im letzten Jahr gute Erfahrungen machte. „Einfach einen Zaun aufstellen und nach einer bestimmten Anzahl von Gäste den Eingang dicht zu machen, ist problematisch. Bei unseren Veranstaltungen in 2020 meldeten sich die Besucher im Vorfeld an, was für eine entspannte Einlasssituation sorgte“, so der Kulturveranstalter.

Dass nur am Kerbewochenende geplant wird, empfindet Bürgermeister Ingo Kalweit als zusätzlichen Sicherheitsaspekt. „So finden mehrere Veranstaltungen zur gleichen Zeit statt und man entscheidet sich, wo man hingeht. Dadurch bleiben die Besucherzahlen im Rahmen. Würde man die Veranstaltungen über den September strecken, ging zum einen der Gedanke der Kerb verloren, zum anderen könnten die Besucherzahlen steigen“, so der Bürgermeister.

 

Monatliches Update

Für die weitere Planung verabredeten sich die Beteiligten für monatliche Treffen, die je nach Situation in echt oder virtuell stattfinden. „Wir wissen alle nicht, wie sich die Inzidenzzahlen entwickeln. Ein regelmäßiger Austausch hilft bei der Planung, damit alle wissen, wie sich die Anforderungen entwickeln“, so Christian Weinerth.

 

Zwei Herzen schlagen in der Brust

Einig waren sich Bürgermeister Ingo Kalweit, Vereinsringsvorsitzender Christian Weinerth und Veranstalter Holger Schneider – die ich für diesen Beitrag interviewte – darüber, dass sowohl der Wunsch nach einer Kerb wie früher als auch die Verantwortung, allen Besuchern Sicherheit zu gewährleisten, bei allen gleichermaßen vorhanden sei.

„Anfang des Jahres war ich positiv und voller Hoffnung. Als die dritte Welle anrollte, wurde mir aber klar, dass eine Straßenkerb unrealistisch ist“, so Christian. „Ich bin davon überzeugt, dass sich auch die Veranstalter des Burgfestes in Gustavsburg, der Raunheimer Kerb und des Heinerfestes in Darmstadt die Absagen der Traditionsveranstaltungen nicht leicht gemacht haben“, so der Vorsitzende des Vereinsrings Bischofsheim.

Axel S.



03.06.2021