Wenn Stand-Up-Paddeln zur Leidenschaft wird

Julia Molter und Christine Keller bleiben ihrem Hobby bei Wind und Wetter treu

„Ich SUPe“, antwortet Julia Molter, wenn man sie nach ihrer Freizeitbeschäftigung fragt. Die drei Buchstaben SUP stehen dabei für „Stand-Up-Paddeln“, eine Wassersport-Disziplin, die man bei sommerlichen Temperaturen auf dem Ginsheimer Altrhein nicht mehr übersehen kann. Menschen jeden Alters stehen dabei auf einer Art Surfbrett, balancieren und bewegen sich durch das Paddeln mit einer Flosse an einem  langen Stil fort. Dass der paddelnde Gleichgewichtsakt auf Bord und Wasser schwerer ist, als er aussieht, weiß jeder, der es versuchte oder Neulingen länger als fünf Minuten zuschaut. Denn: Immer wieder macht es plumps und es liegt jemand im Wasser. „Erfahrenen Paddlern passiert das so zwei Mal im Jahr“, erzählt mir Julia Molter, die ich am vergangenen Wochenende an der Natorampe traf, um mir ihr außergewöhnliches Hobby näher anzuschauen. Bisher kannte ich Julia nur als Administratorin der Facebook-Gruppe Ginsheim-Gustavsburg, wo sie gemeinsam mit Gruppengründer Markus Späth über 5000 Mitglieder betreut, diese zum Posten von Bilder motiviert und manchmal in Konfliktsituationen schlichtet. Der Einblick in ihre wassersportliche Freizeitaktivität zeigt: Sie hält Balance, ist sicherheitsbewusst und schlechtes Wetter beeindruckt sie wenig. Viel Spaß mit dem Portrait über den Start ihrer wöchentlichen Stand-Up-Paddel-Tour, zu der sie sich mit Freundin Christine Keller von der Schiffsmühle aus Richtung Altrhein auf den Weg machte.

 

Es ist elf Uhr, 12 Grad und recht windig, als sich Julia mit Christine am Parkplatz neben der Schiffsmühle treffen. Während Julias Morgensport mit dem zu-Fuß-Transport des riesigen Stand-Up-Boards mittels vorübergehend angebrachter Räder – sogenannten SUP-Wheels – begann, verwandelt Christine eine zusammengerollte Gummiwurst mit einem an den Zigarettenanzünder ihres Autos angebrachten Kompressor zu einem 3,81 Meter langen, massiven Board. Sie nicken beide selbstverständlich, als ich frage, ob sie sich auch im Winter auf das Wasser begeben. „Ich trage bei unterschiedlichen Temperaturen unterschiedliche Kleidung“, erklärt Julia. „Heute bei 12 bis 15 Grad reicht eine dünne Neoprenhose und für den Oberkörper schnell trocknende Sportkleidung. Im Hochsommer reicht ein Bikini und für kältere Temperaturen nutze ich einen Trockenanzug“, berichtet die Stand-Up-Paddel-Begeisterte, die niemals an ihrer hochwertigen Ausrüstung sparen würde. „Sobald ich auf dem Wasser bin, ist es immer toll, auch wenn ich mich vorher bei schlechtem Wetter überwinden musste“, so Julia Molter.

Zwischen acht und 18 km legen beide mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 km/h bei einer Tour zurück, wobei „ich auch schon mal 20 km unterwegs war“, wie sich Julia erinnert.

„Das wichtigste ist eine Kopfbedeckung“, sagt Christine mit einer Mütze wedelnd, als ich frage, was die beiden mit auf die Reise nehmen. Ich staune nicht schlecht, als Julia beginnt, ihre wasserdichte Tasche vor mir auszuleeren: „Wechselklamotten – falls man reinfällt, ein Handtuch, eine Rettungsdecke, was zu trinken, mein Handy – für Fotos, atmungsaktives Tape – für die Finger …“, erzählt Julia, während sie all diese Gegenstände wie die Disney-Heldin Mary Poppins aus einer dafür eigentlich viel zu kleinen Tasche zaubert.

„Gepäck auf Touren mitnehmen geht ohne Probleme“ erklärt mir Christine, deren Board bis zu 130 kg aushält. „Ich packe mir auch manchmal meine Transporträder mit auf’s Brett, wenn ich sie nicht – wie heute – bei Christine im Auto zwischenlagern kann“, ergänzt Julia.

Auch wenn die beiden Paddlerinnen vorsichtig und rücksichtsvoll unterwegs sind, gehen sie durch zwei besondere Accessoires auf Nummer sicher. Ein sogenanntes Leash verbindet sie per Seil mit ihren Boards für den Fall, dass sie ins Wasser fallen. Bei Strömung werden sie dadurch nicht von ihrem Brett getrennt und können leicht zurück aufs Trockene krabbeln. Besonders raffiniert sieht Julias Verbindungsleine aus, die per Karabiner an ihrem Spezialgürtel befestigt ist. „Falls ich die Verbindung zum Board im Notfall lösen möchte, kann ich dies mit einem Handgriff tun“, so Julia. Zur weiteren Sicherheitsausstattung gehört ein sogenannter „Restube“, der aussieht wie zusammengerollte, bunte Socken, die sich im Notfall in eine selbstaufblasende Rettungsboje mit Pfeife verwandelt. „Gibt es auch als Weste“, so Julia.

 

Nicht einfach drauf los paddeln

„Gestartet habe ich vor zwei Jahren, indem ich an einem Kurs beim Kanu-Verein Ginsheim teilgenommen habe – und das rate ich jedem, der sicher unterwegs sein möchte“, so Julias Empfehlung an Newcomer. Von Fachleuten lerne man Dinge, die man dringend wissen müsse, wie z.B. das Lesen von Wind und Wasser, die Paddel- sowie Wendetechnik und wie man auf das Brett kommt, nachdem man reingefallen ist. Letzteres sei gerade dann wichtig, wenn man in Wassertiefen unterwegs ist, bei denen man nicht stehen kann.

Besonders am Herzen liegt beiden Paddlerinnen noch der Appell, gut mit der Umwelt umzugehen. „Wir sind nicht alleine auf dem Wasser und es ist wichtig, Abstand von Tieren, wie z.B. Schwänen und der Uferzone, zu halten“, sind sich Julia und Christine einig. Gegen Pausen während der Tour an schönen Orten zwischen Altrhein, Steindamm, Schwarzbach, Nonnenau und Bleiaue sei auch nichts einzuwenden, aber „jeder soll bitte seinen Müll mitnehmen“, so die Bitte der erfahrenen Stand-Up-Paddlerinnen.

Axel S.



Infos über den Verein, bei dem Julia Molter ihren Stand Up Paddeling Kurs absolvierte, gibt’s unter www.kvgg-ginsheim.de/stand-up-paddle




03.06.2021