Bürgerhaus Bischofsheim – Neubau oder Sanierung?

Ein Gutachten soll den Kommunalpolitikern der Eisenbahnergemeinde helfen, die Weichen zu stellen

Als „gordischen Knoten“ bezeichnet Bürgermeister Ingo Kalweit die politische Diskussion um das Bischofsheimer Bürgerhaus, mit der sich mittlerweile die dritte, neu zusammengesetzte Gemeindevertretung befasst. Einig sind sich die Parteien zwar darin, dass eine entsprechende Location für die Eisenbahnergemeinde unabdingbar ist, einen gemeinsamen Weg zu diesem Ziel fanden sie jedoch bis heute nicht. Während sich die einen einen Neubau wünschten, plädierten die anderen für eine Sanierung. Zwei unterschiedliche Ansätze, von denen in der letzten Legislatur keiner eine stabile Mehrheit fand. Bewegung soll ein Arbeitskreis mit Vertretern aller Fraktionen bringen, der eine Empfehlung an die Gemeindevertretung formulieren soll. 

 

»Instandsetzung als Minimallösung«, »Sanierung auf Neubauniveau«, »Neubau am gleichen Standort« und »Neubau an einem anderen Platz« lauten die vier möglichen Zukunftsszenarien für’s Bischofsheimer Bürgerhaus, mit denen die Arbeitsgruppe Gutachter beauftragt. Ihre Aufgabe: Alle Varianten mit Vor- und Nachteilen so darstellen, dass sie vergleichbar werden, um im Endeffekt eine politische Entscheidung zu treffen. „Die bisherigen Gutachten verglichen Äpfel mit Birnen, indem diese einen kleineren Neubau – ohne Grundstück – mit der Sanierung auf Neubaustandard verglichen. Wir haben die Hoffnung, dass nach Erstellung des Gutachtens die entscheidenden Fragen beantwortet werden“, sagt Simon Kanz, der Fraktionsvorsitzende der CDU. „Auch wenn wir nicht glücklich darüber sind, dass nun weiteres Geld für ein neues Gutachten ausgegeben wird, erhoffen wir uns, dass die Gemeindevertretung dann endlich in der Lage ist, eine abschließende Entscheidung zu treffen“, betont Ute Rothenburger, die Fraktionsvorsitzende der Bischofsheimer Freien Wählergmeinschaft (BFW), denn es gäbe in Bischofsheim noch andere wichtige Problemfelder, die dringend angegangen werden müssen. Wolfang Bleith von der Grünen Alternativen Liste Bischofsheim (GALB) ist es wichtig, dass sowohl Kosten, als auch die Umwelteinwirkungen beleuchtet werden. „Das werden wir uns ansehen und uns für eine möglichst nachhaltige und langfristige Lösung entscheiden“, so der Fraktionsvorsitzende der GALB. Weniger überzeugt, aber hoffnungsvoll, äußert sich die Fraktionsvorsitzende der SPD: „Ob das gelingt wissen wir nicht – hoffen es aber. Nur: Dann braucht die Politik den Mut, auch Entscheidungen zu treffen. Wir sind dazu bereit“, sagt Kerstin Geis. Ein positives Gefühl zur Arbeit der Gruppe schildert der Bürgermeister: „Ziel aller Teilnehmer – so mein klarer Eindruck – ist die finanziell wie inhaltlich bestmögliche Lösung für Bischofsheim und der Wunsch, den »gordischen Knoten« zu durchschlagen – mit verlässlichen Zahlen und dem klaren Bekenntnis zugunsten der Nutzerinnen und Nutzer“, so Ingo Kalweit.

 

Entscheidung nach Gutachten?

Spannend bleibt, wie die Parteien mit dem Ergebnis des Gutachtens umgehen, denn „schlussendlich wird kein Gutachten dieser Welt den politischen Gremien die Entscheidung abnehmen“, wie Ute Rothenburger (BFW) formuliert. Eine politische Entscheidung um den Jahreswechsel wünschen sich SPD und GALB, während die CDU von einer tragfähigen, zügigen Entscheidung in dieser Wahlperiode spricht. Die Herausforderung ohne Erhöhung der Grundsteuer B zu stemmen, ist der BFW wichtig. Simon Kanz (CDU) betont, dass ein „worst case“ verhindert werden müsse, indem das Bürgerhaus nicht mehr zur Verfügung stünde. „Sollte die Bürgerhausfrage auch nach Erstellung des Gutachtens nicht gelöst werden, so streben wir – noch in dieser Wahlperiode – einen bindenden Bürgerentscheid an“, so der CDU-Fraktionsvorsitzende.

 

Die Positionen

Durch den erste Spatenstich im Attich zum Bau der neue Schulmensa und des Ausbildungsrestaurant des AVM (bisher Ratsstube, später „Das Mangold“) denkt Kerstin Geis (SPD) an früher: „Vor zehn Jahren hatte die damalige Bürgermeisterin Ulrike Steinbach die Idee, dass in das Projekt das neue Bürgerhaus integriert werden sollte. Kostenvolumen: 12 Millionen Euro – für Bürgerhaus, Mensa und Restaurant. Das war zukunftsweisend, vorausschauend und wäre eine echte Win-Win-Chance gewesen. Dann kamen die Mühlen der Kommunalpolitik und statt zu bauen wurde das Projekt (ver)diskutiert. Zur viel gelobten Sanierung – gleich in welcher Form – kam es auch nicht“, erinnert sich die Kommunalpolitikerin, die einen Neubau – nach wie vor – als nachhaltigste Lösung ansieht.

Eine nutzungserhaltende Sanierung im Betrieb, welche die Nutzung des Bürgerhauses auf die nächsten zehn bis 15 Jahre sicherstellt, strebt die Bischofsheimer CDU an. „Wir halten den Abriss und den Neubau gegenwärtig für die wirtschaftlich schlechtere Lösung, zudem sie einen Zeitraum von mehreren Jahren ohne Bürgerhaus bedeuten würde. Ein Neubau ist am gegenwärtigen Ort aufgrund neuer gesetzlicher Regelungen nicht mehr realisierbar, da nicht genehmigungsfähig. Daher ist die Forderung nach einem Neubau –welcher auch deutlich kleiner ausfallen würde als das gegenwärtige, um einigermaßen wirtschaftlich zu sein – ohne ein geeignetes Grundstück zu benennen, unausgegoren“, ist sich Simon Kanz sicher. Auch die Bischofsheimer Freie Wählergemeinschaft befürwortet eine bestandserhaltende Sanierung als „wirtschaftlich sinnvollste Lösung“. „Eigentum verpflichtet nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, sondern auch eine Kommune, die eigentlich mit gutem Beispiel voran gehen sollte“, begründet Ute Rothenburger die Position der BFW, die sie zudem als nachhaltige Lösung sieht. „Unser Bürgerhaus, entworfen von den Architekten Schmitt & Öllermann, ist nicht nur architektonisch, sondern auch von der Bausubstanz von besonderer Qualität. Ein Bürgerhaus wie das unsere würde heute in dieser Qualität nicht mehr gebaut werden. Wir sollten daher alles daran setzen, dieses zu erhalten“, beteuert die Fraktionsvorsitzende der BFW. Ergebnisoffen äußert sich Wolfgang Bleith: „Wir warten auf das Ergebnis des neuen Gutachtens, das in Abstimmung aller Fraktionen jetzt in Auftrag gegeben wurde. Hier werden die verschiedenen möglichen Szenarien betrachtet und bewertet. Das werden wir uns ansehen und uns für eine möglichst nachhaltige und langfristige Lösung entscheiden“, sagt der Fraktionsvorsitzende der GALB.

 

Zusammengefasst kann man also sagen: „Abwarten, bis das Gutachten vorliegt“ und auf die Entscheidungsfähigkeit des Gemeindeparlaments hoffen, wie es der Bürgermeister tut. „Ich wünsche mir, dass wir das konstruktive Miteinander aus dem Arbeitskreis in die anderen Gremien übertragen können und eine Lösung verabschieden, mit der alle bereit sind zu leben, wenn nicht gar sie zu begrüßen. Dieses Thema hat die politische Atmosphäre in Bischofsheim schon viel zu lang beeinträchtigt“, so Ingo Kalweit.

 

Axel S.



01.07.2021