Ab September bietet der VdK wieder Sprechstunden an

Der VDK freut sich aufs nächste Burgfest, wenn er weder mit einem Infostand dabei ist.

Seit April 2016 ist Hartmut Seiz Vorsitzender des derzeit 575 Mitglieder zählenden VdK-Ortsverbandes Ginsheim-Gustavsburg. Bis 2020 wurden im Haus der Vereine in der Pestalozzistraße regelmäßig Beratungen als Außenstelle des Kreisverbandes Groß-Gerau durchgeführt. In der Hochphase der Corona-Pandemie konnten Beratungen im Kreisverband weiterhin telefonisch vorgenommen werden. Im Gespräch mit dieser Zeitung weist Harmut Seiz darauf hin, dass in dieser Zeit der Ortsverband telefonisch erreichbar war, wenn auf dem Anrufbeantworter um einen Rückruf gebeten wurde. Seit Juni dieses Jahres war es möglich, dass wir zu den Sprechzeiten Anrufe entgegen genommen habe, betont Hartmut.

Jetzt hat der Vorstand beschlossen, ab September wieder Sprechstunden in seinen Räumen im Haus der Vereine durchzuführen. Jeden 1. und 3. Dienstag im Monat können Mitglieder und Nicht-Mitglieder in der Zeit von 15 bis 18 Uhr dieses Angebot in Anspruch nehmen. Hartmut Seiz hebt die Funktion des größten Sozialverbandes Deutschland hervor, der derzeit mehr als zwei Millionen Mitglieder zählt: eine breitgefächerte Angebotspalette, die auch die Geselligkeit umfasst. 

Der im Jahr 1947 gegründete Ortsverband bietet in der Kommune Zugang zu einer Reihe von Dienstleistungen, Informationen und Hilfsangeboten in Hessen und Thüringen. Der VdK motiviert in der Vereinsarbeit erfahrene Menschen, ihre Fähigkeiten auch in sozialen Bereichen einzubringen. Gleichzeitig sorgt der VdK auch dafür, dass sich die ehrenamtlich Engagierten über die VdK-Schulungsangebote weiterbilden können. Da kommt dem Sozialverband die besondere Aufgabe zu, sich angesichts einer älter werdenden Gesellschaft um immer wichtiger werdende Themen zu kümmern – so in den Bereichen Pflege, Alterssicherung, Mobilität und Barrierefreiheit. Vier Schwerpunkte, die durch die Lobby-Arbeit angestoßen werden  und maßgeblich zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit beitragen. 

Da stellt sich die Frage, welche Funktion der VdK in unserer heutigen Zeit erfüllt, zumal gerade jüngere Generationen mit der Begrifflichkeit Sozialverband nur wenig anfangen können. Insofern lohnt ein Rückblick in die Historie der beiden Ortsgliederungen: Gründer der Ortsgruppe Ginsheim waren Friedrich Reibold, der den Vorsitz übernahm, sowie die Gremiumsmitglieder Margarete Schnecko, Eva Becker, Philipp Becker, Anni Fischer, Willi Rühl und Hans Härtling. Ebenfalls im Jahr konstituierte sich die Gustavsburger Ortsgruppe um August Reese, Daniel Heizenröder und Adolf Hofmann, der erste Vorsitzende war Willi Becker. Im Jahr 1990 kam es zur Fusion der beiden Ortsgruppen. Soweit die historische Entwicklung.

„Die Grundlage der VdK-Tätigkeit ist die soziale Infrastruktur der Kommune, betont Hartmut Seitz. Ansonsten wäre die Gefahr sehr groß, dass eine Versorgungslücke für Altere, Menschen mit Behinderung und sozial Schwache auftreten würde. Durch seine Beratungstätigkeit entlastet der VdK amtliche Stellen in ihren Arbeitsfeldern. Und ohne den Sozialverband könnten viele Menschen ihre begründeten Rechtsansprüche „nur auf dem Papier, nicht aber in der Realität vortragen", betont er. Der Vorsitzende weist aber auch darauf hin, dass der Wunsch und die Wirklichkeit in der häuslichen Pflege nur selten in Einklang zu bringen sind. Seit Juni hat der VdK deshalb zu einer Pflegestudie ausgerufen, bei der individuelle Interviews mit pflegenden Angehörigen aber auch Ehrenamtlichen geführt werden. Die ersten Zwischenergebnisse sollen im August veröffentlicht werden. Hartmut verweist aber auch auf ein „internes Manko“ im VdK-Beratungsgefüge. Für die beiden in GiGu tätigen Berater gibt es keine Nachfolger. Hinzu kommt, dass die ehrenamtliche Tätigkeit mit einem noch höheren zeitlichen Aufwand verbunden ist. Die hauptamtliche Beratung würde sich demzufolge auf Rüsselsheim konzentrieren, während die Beratungsstellen in Nauheim und Ginsheim-Gustavsburg quasi aufgelöst werden. 

Ein neuer Begriff taucht in der Sprachregelung des Sozialverbandes auf, der Lotse. Hartmut Seiz erklärt diesen vom bayerischen Landesverband generierten Terminus anschaulich. Der VdK bleibt bei seiner angestammten Philosophie, „niemanden alleine zu lassen“, gibt aber seiner Hoffnung aus, dass der Lotse ein Ansprechpartner ist, der im viralen Netzwerk jene Informationsquellen aufspürt, um den Ratsuchenden weiter zu helfen.

Norbert Fluhr



01.07.2021