„Ein Leben ohne Singen kann ich mir nicht vorstellen“

Über Edgar Kownatzki und „seinen“ Gesangsverein Einigkeit

Es gibt mehrere Gründe, weswegen sich Sänger und Publikum beim Gustavsburger Gesangsverein wohl fühlen – zwei davon heißen: „Ursula und Edgar Kownatzki“. Sie begegnen Fremden, als würde man sich ewig kennen, sind locker, witzig und immer gut gelaunt. Mit anderen Worten: Sie laden stets zu gemütlicher Geselligkeit ein – eine Atmosphäre, die für das Vereinsleben und erfolgreiche Konzerte ein Geheimrezept zu sein scheint. Vor wenigen Tagen traf ich mich mit dem jung gebliebenen Paar, um diesen Bericht über Edgar zu schreiben. Der Grund: Nach 36 Jahren Vorstandstätigkeit fand Edgar Kownatzki eine Nachfolgerin. Aber keine Sorge: Aktiver Sänger wird er bleiben, denn er sagt: „Ein Leben ohne Singen kann ich mir nicht vorstellen“.

 

„Über 300 Liedtexte habe ich im Kopf“, erzählt Edgar Kownatzki, der nicht nur bei Konzerten, sondern auch im Vereinsheim in gemütlicher Runde, gerne Lieder anstößt. Seit 1952 singt er im Verein „Einigkeit“, dessen Mitglieder ihn 1958 in den Vorstand wählten. Erst als Beisitzer, dann als zweiten und seit 1976 als ersten Vorsitzenden. 

Der Sohn eines Spenglers bei MAN wuchs in Gustavsburg auf. Seine Familie wohnte zunächst auf dem Cramer-Klett-Platz 7 und später in der Hausnummer 16. Viel Zeit verbrachte der 1935 geborene Edgar im MAN Bunker, denn während seiner Kindheit herrschte der zweite Weltkrieg. Es spricht für die positive Lebenseinstellung von Edgar Kownatzki, dass er in seinen Erinnerungen – neben der Zeit im Bunker – auch schöne und vor allem humorvolle Gedanken findet. „1945/46 hatten wir mit weit über 100 Mitgliedern einen Höchststand an Sängern im Verein. Gesungen wurde im Schwedenhof, der damals Saalbau hieß. Dort gab es »Ami-Bier« wegen dem viele kamen. Geschmeckt hat es nicht, getrunken wurde es trotzdem“, erinnert sich Edgar schmunzelnd.

Neben dem Gesangsverein Einigkeit war Edgar Teil des „Extra-Chors“ des Mainzer Staatstheaters, der bei großen Opern, wie Carmina Burana oder der Neunten Symphonie von Beethoven das Ensemble unterstützte. 

Die Weitergabe des Postens des ersten Vorsitzenden an eine jüngeres Vereinsmitglied war keine spontane Entscheidung. „Schon vor 20 Jahren begann ich dafür zu werben und freue mich, dass wir endlich jemanden gefunden haben, der dieses Amt mit Sicherheit gut weiterführen wird“, so der ehemalige erste Vorsitzende des Gesangsvereins über seine Nachfolgerin Ann Christin Handel, die wir euch demnächst in dieser Zeitung vorstellen.

Für die Zukunft wünscht er sich einen Zuwachs an Mitgliedern und die Rückkehr zur Normalität. „Die Zeit ohne Proben und Konzerte war katastrophal“, so Edgar.

Die Gute Nachricht: Seit Montag trifft sich der Verein wieder und auch wenn noch nicht klar ist, wie es in diesem Jahr weitergeht, sind sich Ursula und Edgar in einer Sache einig: „Spätestens an Weihnachten wollen wir wieder aktiv werden!“

Axel S.



15.07.2021