„Lese-Eulen“ laden wieder ins Kultur-Paradies Ginsheim-Gustavsburg ein

Foto: Klaus Friedrich

In der Hochphase der Corona-Pandemie litt auch das kulturelle Leben der Stadt Ginsheim-Gustavsburg. Dies galt auch für die Aktivitäten des Bücherei-Vereins „Lese-Eulen“, der ab sofort wieder seine Türen öffnen kann. Vorsitzende Birgitt Bechtel-Schmitt ist glücklich, dass seit Juli  wieder in beiden Stadtteilen Lesehungrige Zugang zu den Büchereien haben. Wenn auch weiterhin unter Beachtung strenger Abstands- und Hygieneregelungen. 

 

Im Souterrain des Ginsheimer Rathauses ist die Bücherei wieder samstags von 10 bis 12 Uhr geöffnet, in Gustavsburg sieht es  in der Mozartstraße 3 etwas anders aus. Im ersten Obergeschoss der Villa Herrmann gibt es an jedem ersten und dritten Samstag von 10 bis 12 Uhr, sowie an jedem ersten und dritten Mittwoch in der Zeit von 16 bis 18 Uhr die Möglichkeit, sich Bücher auszuleihen. In beiden Büchereien gilt die gleiche Regelung. Es besteht Maskenpflicht sowie die Anweisung einer begrenzten Verweildauer. Eine Vorsichtsmaßnahme, an die sich aber die Besucher und Besucherinnen ohne Murren gewöhnt haben, betont Birgitt Bechtel-Schmitt im Gespräch mit dieser Zeitung. Dies hat aber auch zur Folge, dass derzeit eine Kommunikation mit anderen Leseratten nicht möglich ist. Die Kundschaft weiß in der Regel, welche Leselektüre sie sich ausleihen möchte. Getrennte Laufwege ermöglichen einen zielstrebigen Durchgangsbereich ohne Stauraum, erläutert Birgitt Bechtel-Schmitt. Auf einer 100 Quadratmeter großen Fläche sind die gewünschten Bücher, Hörkassetten auf Regalen in alphabetischer Reihenfolge zu finden. Ein breit gefächertes Sortiment, darunter zahlreiche Neuerscheinungen. Die „Lese-Eulen“ haben in der Mitte des Raumes einen altertümlich wirkenden Reisekoffer positioniert, der zu Urlaubsaufenthalten einlädt. Klassische Reise- und Sprachführer, die genau so kostenfrei ausgeliehen werden können wie Romane der Belletristik. Am mit Styropor-Kugeln drapierten „Wunsch-Baum“ besteht die Möglichkeit des Besuchers, seine Begierden auf eine besondere Leselektüre zu bekunden. 

 

Kostenfrei für Mitglieder

Die Ausleihe ist nach wie vor kostenfrei, wer verspätet das Buch abgibt, zahlt eine angemessene Mahngebühr. Erforderlich ist lediglich die Vereins-Mitgliedschaft. Erfreulich, denn am Jahresbeitrag hat sich seit der Gründung im Jahr 2007 nichts geändert. Für die Kinder kostet der Jahresbeitrag sieben Euro, die Erwachsene entrichten den doppelten Betrag, und wenn sich die ganze Familie kulturell eindecken möchte, sind 18 Euro erforderlich. 

Birgitt Bechtel-Schmitt ist von Anfang an dabei, erinnert sich aber auch an jene Ära, die bei der lesehungrigen Bevölkerung keine Begeisterung entfachte. Dies vor dem Hintergrund, dass seinerzeit die Gemeindevertretung aus Kostengründen die kommunalen Büchereien in Gustavsburg und in Ginsheim geschlossen hatten. Der Widerstand der lesehungrigen Erwachsenen führte letzten Endes zur Wiedereröffnung. Der Verein schätzt sich glücklich, dass die Gemeindevertretung seitdem wieder Finanzmittel aus dem Kulturetat zur Verfügung stellt. Insgesamt verfügen die beiden Büchereien über 8200 Medienträger für die Altersgruppe von „1-90“, wie Birgitt Bechtel-Schmitt verschmitzt anmerkt. Das Thema Ehrenamt dringt auch in die Arbeit der Büchereien ein. Birgitt Bechtel-Schmitt hat in Ginsheim sechs Mitarbeiterinnen, in Gustavsburg sind es drei Helferinnen. Da wünschen sich die „Lese-Eulen“ mehr Zuspruch aus der Bevölkerung. Schließlich geht es darum, nicht nur die Medien zu pflegen, sondern auch auszusortieren. „Da wir nur einen begrenzten Aufbewahrungsraum haben, müssen wir Bücher aus den Jahren 2005/2006 ausquartieren“, so Birgitt Bechtel-Schmitt. In diesem Zusammenhang macht die begeisterte Krimi-Leserin deutlich, dass es nicht hinnehmbar sei, wenn vor der dem Souterrain Müllsäcke voller Bücher abgestellt werden. 

 

Genug Arbeit gibt es derzeit für das Bücherei-Team im Hinblick auf die immer noch bestehende Pandemie. Momentan besteht eine so genannte Bücher-Quarantäne . Alle ausgeliehenen Leselektüren werden 72 Stunden in einer Kiste aufbewahrt, bevor sie wieder an ihren angestammten Platz gestellt werden. Keine Schikane, sondern eine Richtlinie des hessischen Bibliothekenverbandes.

 

Norbert Fluhr



15.07.2021