Auf Wiedersehen Christiane Fröde – und Danke für Inklusion!

Trägerin des ersten Bürgerpreises von Ginsheim-Gustavsburg gestorben

Im Organisieren war sie spitze! – Ein Talent, dass sie rege nutzte, denn Christiane Fröde setzte sich immer neue Ziele. Das Besondere an ihren Vorhaben: Sie dienten meistens nicht ihr selbst, sondern sie fragte sich: „Was kann ich organisieren, um anderen zu helfen?“ Eine Lebenseinstellung, für die sie den Bürgerpreis der (damaligen) Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg und den Ehrenbrief des Landes Hessen erhielt. Vor kurzem starb Christiane Fröde im Alter von 85 Jahren. 

 

Christiane Fröde flüchtete als Kind nach Deutschland und zog mit ihrem Mann 1970 nach Ginsheim, wo sie in der Magdeburger Straße wohnte. Sie bekam zwei Söhne, von denen einer eine Behinderung hatte. Früh erkannte sie – lange vor öffentlichen Diskussionen um Inklusion – dass vom Zusammenspiel behinderter und nicht behinderten Menschen alle profitieren. So gründete sie 1976 einen Spielkreis, in dem Kinder mit und ohne Behinderung gleichermaßen willkommen waren. Sie verfolgte damit das Ziel, den Umgang miteinander zu normalisieren.

Außerdem engagierte sie sich in der Nachbarschaftshilfe der katholischen Kirchengemeinden, wirkte im Vorstand der Mainzer Lebenshilfe mit und war lange Zeit Elternbeiratsvorsitzende in der Helen-Keller-Schule in Rüsselsheim. Auch in Vereinen war sie aktiv, wie in der historischen Tanzgruppe und der Chrogemeinschaft Ginsheim-Gustavsburg. Bekannte beschreiben Christiane als präsente Persönlichkeit, die nie im Hintergrund verschwand. „Sie war immer offen und immer optimistisch!“, so eine Vereinskameradin.

 

Das Lebenswerk von Christiane Fröde zeigt, dass persönliche Zufriedenheit und das Streben nach Verbesserung von Lebensumständen (wie z.B. dem von Menschen mit Behinderung) kein Widerspruch sind. Im Gegenteil: Sie hinterlässt uns die Botschaft, sich über Erreichtes zu freuen und gleichzeitig wahrzunehmen, welche neuen Türen sich öffnen. Christiane Fröde ist Wegbereiterin der Inklusion: Der Idee, Menschen mit und ohne Behinderung zusammenzuführen und BEIDE zu fragen: „Was sind deine Stärken?“. Ein Ansatz, der in unserer Gesellschaft – durch Menschen, wie Christiane – immer selbstverständlicher wurde und noch weiter durchdringt, wenn man die Frage stellt, für die Christiane Fröde bekannt war: „Wie ist der nächste Schritt?!“.

Axel S.

 

Danke an Ilse Bayerl (Historische Tanzgruppe), Anette Reichel (Chorgemeinschaft) und Andreas Klopp (Stadtverwaltung) für die Unterstützung bei diesen Zeilen.


Christiane Fröde ist am 01.01.1982, also vor fast 40 Jahren, in die Chorgemeinschaft Ginsheim eingetreten und hat sich seitdem als Ausgleich zu ihrem sonstigen Engagement vor allem in der Behindertenhilfe ins Vereinsleben eingebracht. Sie hat immer gerne gesungen und bis zum ersten Corona-Lockdown im März 2020 an den Chorproben teilgenommen, war bei vielen Auftritten erst des Frauenchores und seit 2005 des gemischten Chores dabei, hat die geselligen Angebote der Chorgemeinschaft wahrgenommen und auch bei Diensten und Aufgaben, wie Standdienste beim Altrheinfest oder Kuchenbacken den Verein unterstützt.

Anette Reichel, Chorgemeinschaft Ginsheim

 




15.07.2021