50 Firmen unter einem historischen Dach

Das TIGZ Gustavsburg

Mieterin Andrea Engler (links) gestaltete neue Firmenwegweiser für’s TIGZ. Die mit Logo bedruckten Quadrate wurden – unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen – gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung Landrat Thomas Will und der Geschäftsführerin Dr. Petruţa Tătulescu an den sechs Flureingängen angebracht.

Zugegeben: Nicht jeder Mainspitzbewohner weiß auf Anhieb, was es mit den Buchstaben TIGZ auf sich hat. Sobald man aber das Gebäude sieht, indem sich das TIGZ – also das Technologie-, Innovations- und Gründungszentrum – befindet, ist klar, wovon die Rede ist. Auch wenn man das Gebäude nur vom Vorbeifahren kennt – ignorieren kann man die imposante Erscheinung der ehemaligen MAN-Verwaltung nicht. Viele verbinden damit ihren Einstieg ins Arbeitsleben bei der MAN, andere den Berufsalltag ihrer Eltern oder Großeltern und wieder andere einfach ein wertvolles Denkmal der Industriekultur des Kreises Groß-Gerau. Seit 23 Jahren finden junge Unternehmen ihre Heimat in den historischen Mauern. Über 50 sind es momentan, eine Vielzahl davon gegründet mit beratender Unterstützung der TIGZ GmbH und der Wirtschaftsförderung der Kreisverwaltung Groß-Gerau. „Professionelle Beratung ist der Grundstein für erfolgreiche Unternehmensgründungen. Margit Kühner von unserer Wirtschaftsförderung und das Team um die neue TIGZ-Geschäftsführerin Dr. Petruţa Tătulescu unterstützen Start Ups kostenlos, prüfen dabei Geschäftskonzepte auf Herz und Nieren, weisen auf Nachbesserungen hin und raten – wenn’s sein muss – auch mal von Neugründungen ab“, so Landrat Thomas Will (Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des TIGZ) über das Konzept rund ums Gründungszentrum. Eine Strategie, die aufgeht, denn über 95 % der Firmen überstehen die anspruchsvolle Gründungsphase und werden zu „richtigen“ Unternehmen.

 

Ingenieurbüros, Logistikunternehmen, IT-Dienstleister, Medienproduzenten, Verlage, Entertainer, Fotografen, Grafikdesigner, Steuerberater, Fachleute für Raumakustik – und sogar Therapeuten

Irre bunt ist das Bild der über 50 Firmen, die für ihre Dienstleistungen und Produkte zum Teil weit über die Region hinaus bekannt sind. Beispiel: Das Ingenieurbüro „cadventure“ – gegründet von Dipl. Ing. Brigitta Fiesel – spezialisierte sich auf die Digitalisierung im Bereich Planung und Bau. Internationale Flughäfen gehören zu den Kunden von cadventure, einem der mittlerweile größten Unternehmen im TIGZ. Charakteristisch an der Unternehmerpersönlichkeit von Brigitta Fiesel ist dabei, dass sie das Streben, etwas Neues zu schaffen, auch nach der Gründungsphase – bis heute – beibehielt. So hält sie mit Freude und dem Schalk im Nacken ihr Team immer nah an der im digitalen Wandel begriffenen Baubranche und gehört beim aktuellen Top-Thema »BIM« (building information modeling = Darstellung aller Informationen von Bauwerken im digitalen 3D-Modell) nicht nur zu den führenden Unternehmen sondern auch zu den bekanntesten Expertinnen.

Auch diese Zeitung entstand im TIGZ und zwar durch die Kooperation zweier Unternehmen. Herausgeberin Frauke Nussbeutel (Mainspitz-Verlag) gründete mit Tanja Huyer einst „Kuckuck! Das Familienmagazin“, welches im Rhein-Main-Gebiet mit einer Auflage von 40.000 ausliegt. Ihre Expertise im Bereich Printmedienkonzeption, -produktion und -logistik gab den Startschuss für »Neues aus der Mainspitze«. Ein Zeitungsprojekt, das Frauke Nussbeutel gemeinsam mit Andrea Engler und mir (unser Unternehmen heißt »showpaket.com – show | video | news«) gründete. Eine Zusammenarbeit, wie sie im TIGZ häufig entsteht! Die Form der Kooperationen ist dabei so bunt, wie die Firmen selbst. Mal gestalten Grafikerin, Texterin und Videoproduzent im Netzwerk eine aufwendige Werbekampagne für eine große Institution, ein anderes Mal entsteht ein neues, gemeinsames Unternehmen mit eigener Rechtsform. 

Auch die Infrastruktur schätzen und nutzen die Gründer:innen. Mit Steuerberater, Webdesigner und IT-Dienstleister sitzen wertvolle Netzwerkpartner, die jedes Unternehmen braucht unter einem Dach. Durch Gemeinschaftsflächen gibt es Treffpunkte, die die TIGZ-BewohnerInnen gerne für spontanen Austausch nutzen.

 

Aus dem TIGZ für die Region

Auch wenn einige Firmen vom Namen her unbekannt erscheinen, so ist es durchaus möglich, dass euch in der Mainspitze schon Erzeugnisse aus dem Gründungszentrum über den Weg liefen. Beispielsweise stammt die Gestaltung der Gustavsburger Gedenkstätte an der evangelischen Kirche aus der Feder von Grafikerin Ute Sixel. Um die Sanierung der Burg-Lichtspiele kümmerte sich das – damals im Haus ansässige –Architekturbüro Wagner + Ewald. Das Comicladen-Studio für die TV-Sendung »GiGu to go« befindet sich in einer ehemaligen Pförtnerloge im Eingangsbereich des TIGZ. Die Luftbilder der großen Feuerwehreinsätze im letzten Jahr (Facebook-Seite der Stadtverwaltung GiGu) stammen von Fotograf Torsten Silz – alles Firmen und Soloselbstständige, die im Technologie-, Innovations- und Gründungszentrum ihre Heimat fanden. 

 

Weitere Infos über Unternehmensgründung im Kreis Groß-Gerau gibt es auf der Website des TIGZ (www.tigz.de) und www.kreisgg.de/wirtschaft/existenzgruendung bzw. www.existenzuendung.de (Inititative der Wirtschaftsförderung des Kreises Groß-Gerau).

Axel S.

Auch mich verbindet beruflich und persönlich viel mit dem TIGZ. Nach meiner Jongleurkarriere in den internationalen Varietétheatern (u.a. Cabaret du Casino Monte Carlo) gründete ich mit der Luftartistin Andrea Engler das Künstlernetzwerk Showpaket. Wir spezialisierten uns auf Firmenevents. Im Laufe der Jahre kam Dramaturgie und Inszenierung im Bereich Event- und Videomarketing hinzu. Heute performen, gestalten und beraten wir in Sachen Show, Video und News.

Gänsehaut bekam ich, als mich mein Vater zum ersten Mal in meinem neuen Büro im ersten Stock besuchte. Sein Vater – mein Opa, der lange vor meiner Geburt starb – arbeitete als Diplom-Ingenieur im MAN-Gebäude. Als mein Vater mein neues Büro sah, sagte er spontan „in diesem Raum hat mein Papa auch mal gearbeitet“. Ich suchte mir also – ohne es zu wissen – den Raum aus, in dem auch mein Opa täglich ein und aus ging. Eine Tatsache an die ich gerne denke, wenn ich mir die Krone des vermutlich 100 Jahre alten Baumes vor meinem Bürofenster betrachte. 




15.07.2021