Ein Berufsleben für Kunst und Kultur

Verwaltungsmitarbeiterin Elke Christ geht in Ruhestand

Wer in GiGu den Namen Elke Christ hört, hat sofort das Bild der kleinen Frau mit großem Herzen vor Augen. Egal, ob hinter der Kinokasse in den Burg-Lichtspielen, beim Getränkeverkauf bei Kultursommer-Veranstaltungen oder hinterm Schreibtisch im Kulturbüro – Elke begrüßt jeden mit einem Lächeln und ihrem besonderen Funkeln in den Augen. Im Dezember geht die langjährige Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Ginsheim-Gustavsburg in Rente. Bei ihrer Arbeit im Kulturbüro war sie stets so leidenschaftlich, dass der Beruf mit ihrem Privatleben verschmolz.

 

Als ich Elke Christ 1995 zum ersten Mal traf, bastelte sie an ihrem Arbeitsplatz, der sich zu dieser Zeit im ersten Stock der Gustavsburger Villa Herrmann befand, aus verkleinerten, ausgedruckten Filmplakaten mit Papierskalpell, Klebstoff und viel Liebe den Programmflyer der Burg-Lichtspiele. Auch wenn Design und Druck mittlerweile digitalisiert ablaufen, sind die Kinoprogramme von Elke, die aufgefaltet an einen Zelluloid-Filmstreifen erinnerten, aus der Geschichte des Kommunalen Kinos in Gustavsburg nicht wegzudenken. 

 

Rückblickend betrachtet ist Elke Christ der größte Glücksfall, der der Kulturlandschaft von Ginsheim-Gustavsburg passieren konnte. Wie bei einem Ein-Frau-Theaterstück schlüpfte die Verwaltungsfachangestellte in jede Rolle, die auf der Bühne des Kulturbüros gebraucht wurde. Sie war die freundliche Stimme an der Ticket-Hotline, Barkeeperin hinter der Theke, Kinoschaufenstergestalterin, Grafikdesignerin, Filmdisponentin, Zeltmeisterin, Kulturkoordinatorin, Künstlerberuhigerin und kümmerte sich scheinbar nebenbei noch um die Büroorganisation. Ich bin mir sicher, hätte Elke Dienst nach Vorschrift gemacht, Ginsheim-Gustavsburg wäre kulturell ärmer. Welche Kleinstadt hat schon ein eigenes, neusaniertes Kino mit Jazz- und Kleinkunstreihe sowie einen Kultursommer mit Konzerten und einem Open-Air-Kino? Bei allen „Grundsteinlegungen“ dieser Kulturhighlights war Elke Christ von Anfang an mit dabei, tat was getan werden musste und verbreitete eine positive Stimmung unter den Akteuren. Mit ihrer Begeisterungsfähigkeit steckte sie ihre Mitstreiter an, so dass die liebevoll gesetzten Kulturpflänzchen groß und zum festen Bestandteil des jährlichen Kulturkalenders wurden.

 

Elke Christ kam 1974 als Auszubildende zur damaligen Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg. Nach zehn Jahren Elternzeit kam sie 1994 in die Verwaltung zurück und arbeitete seitdem im Kulturbüro. Großes Thema direkt nach ihrer Elternzeit war die Arbeit mit Computern, in die sie sich schnell einarbeitete. 

 


 

Auf Wiedersehen!

Sicherlich hätte Elkes Abschiedsfeier in den Burg-Lichtspielen stattgefunden, aber Corona erstickte alle Gedanken an eine mögliche Party frühzeitig im Keim. Aber das macht nichts. Ihr direkter Chef, Guido Conradi, sorgte mit der kreativen Idee eines „Speeddatings“ für eine Verabschiedungszeremonie, die über mehrere Tage intensive Begegnungen mit sämtlichen Weggefährten ermöglichte. „Ich bin ganz baff und wusste von nichts“, sagt Elke Christ überrascht, als wir (Andrea, Frauke und ich) sie in den Burg-Lichtspielen mit Sicherheitsabstand mit ihrer Lieblingspizza empfingen. „Seit gestern sagt Guido ständig »jetzt müssen wir hier und dort hin« und überall erwarten mich Überraschungsgäste“, freut sich Elke.

Dass sie in den Tagen ihres Abschieds schon einige Überraschungen erlebte sah man übrigens an ihrem Gepäck. Voller Stolz präsentierte sie eine besondere Torte, die ihr Tanja Sohnrey – ebenfalls Mitarbeiterin der Stadtverwaltung – schenkte. Sie hat die Form einer Filmspule und ist fast so groß, wie Elke.

 

Keine Langeweile!

In wie weit sich Elke weiterhin in anderer Funktion für die Kultur von Ginsheim-Gustavsburg engagieren wird, weiß sie noch nicht. Erstmal freut sich die zweifache Mutter auf die Zeit mit ihren vier Enkelkindern im Alter zwischen eineinhalb und acht Jahren. „Ich schau mal, wie es sich so anfühlt in Rente zu sein, und dann schaue ich weiter“, so Elke Christ.

 

Mit Elke Christ verlässt die Verwaltung wieder mal eine Verwaltungsfachangestellte die noch auf die Erfahrungen aus der Zeit von Schreibmaschinen und Durchschlagpapier zurückgreifen konnte. Ich wünsche der Stadtverwaltung, dass es gelang, Elkes Know How in die DNA des Kulturbüros zu integrieren und Elke, dass sich ihre neu erworbenen Freiräume mit Glück und Zufriedenheit füllen.

 

Axel S.


3.12.2020