Die gute Seele des Haus Mainblick

Bürgerpreisträgerin Tina Koch über ihr ehrenamtliches Engagement

Es gibt Menschen, die trifft man zum ersten Mal und hat sofort das Gefühl, sie ewig zu kennen. Man plaudert spontan miteinander, als säße man mit einem alten Freund am Kaffeetisch. Christina „Tina“ Koch ist ein solcher Mensch. Egal ob bei ihrem ehrenamtlichen Engagement im Seniorenheim „Haus Mainblick“, für das sie den Bürgerpreis der Stadt Ginsheim-Gustavsburg erhielt, oder bei ihrem Anruf in unserer Redaktion, als sie eine Dankesanzeige für die besagte Auszeichnung aufgeben möchte –Tina schafft sofort eine warme Gesprächsatmosphäre, die den Tag versüßt. 

In diesem Beitrag stellen wir euch die 83-jährige Gustavsburgerin vor, die im Haus Mainblick seit 2005 unter „die Blumenfrau“ oder als „das fleißiges Lieschen“ bekannt ist.    

 


 

Ihre Karriere als gute Seele des Gustavsburger Seniorenheims begann im Alter von 68 nach ein paar Schicksalsschlägen, wozu auch der Tod ihres geliebten Hundes „Susi“ gehört. „Ich kann doch nicht zu Hause sitzen und nichts tun“, dachte sich Tina und machte sich auf die Suche nach einer Aufgabe. Fündig wurde sie im Haus Mainblick, indem sie zunächst für ein bis zwei Stunden am Tag alles machte, was anfiel (außer Pflege). „Dann wurde es immer mehr. Zum Beispiel kam die Postverteilung im Haus dazu. Die Bewohner freuten sich immer, wenn ich mit Briefen zu ihnen kam“, erzählt Tina, die sich bei jeder Begegnung Zeit für ein Gespräch nimmt, das den Menschen im Haus viel bedeutet. Sie verschönert aber nicht nur die Zeit im Seniorenheim, sondern auch das Umfeld. Für Geburtstage, Weihnachtsfeiern oder einfach mal so dekoriert Tina, die jahrelang in einer Gustavsburger Gärtnerei arbeitete, im Haus Mainblick Gruppentische, ganze Räume und wenn es sein muss auch mal ein Restaurant, welches für eine Weihnachtsfeier der Mitarbeiter angemietet wurde – achso, und die Geschenke für die 60 Gäste verpackt sie natürlich auch. So kommt es, dass das Haus Mainblick in der Weihnachtszeit nach Tannenzweigen durftet und Leute, die reinkommen sagen: „Das ist ja kein Altenheim, sondern ein gemütliches Wohnzimmer“.

 

„Mein größter Wunsch ist, dass ich wieder ins Haus Mainblick darf.“

„Nicht nur ich tue den Leuten etwas Gutes, sondern es tut auch mir gut. In der Zeit im Haus Mainblick konnte ich meine Schicksalsschläge verarbeiten und heilen“, sagt Tina voller Dankbarkeit diese Arbeiten machen zu dürfen. Dass ehrenamtliche Helfer, wie sie derzeit aufgrund von Corona nicht ins Haus dürfen, findet sie zwar schade, aber Tina Koch wäre nicht Tina Koch, wenn sie keine Lösung parat hätte, den Hausbewohnern den Alltag doch etwas zu verschönern. „Weil ich seit 13. März aus Sicherheitsgründen nicht mehr ins Haus darf, klärte ich im April mit Herrn Haas (Leiter des Hauses) ab, dass ich die Terrasse dekoriere. Jetzt komme ich immer um 18 Uhr, wenn die Bewohner beim Essen und nicht auf der Terrasse sind“, erzählt Tina. Auf diese Weise bringt sie weiterhin Freude in die Herzen der Bewohner und bleibt dem Haus Mainblick treu, welches sie als ihr „zweites Zuhause“ betrachtet. 

 

„Meine Söhne Roland und Christian sind bis heute meine Felsen in der Brandung“

Auch wenn die Schicksalsschläge, von denen mir Tina zu Beginn des Gespräches erzählte, sicher hart für sie waren, sind heute keinerlei „Narben“ erkennbar. Im Gegenteil: Die 83-jährige Dame sieht aus wie 60, arbeitet wie 30 und findet Wege wie 15-jährige Pfadfinder. „Ich komme mit dem Rad, weil ich danach noch etwas für Besuch einkaufen möchte. Für schlechtes Wetter habe ich ein Regencape dabei“, sagte sie zum Beispiel, als wir uns am vergangenen, sehr regnerischen Samstagmorgen für einen Fototermin verabredeten. Auch ihr Umgang mit Corona, durch den sie zur Terassendekorateurin wurde, verdeutlicht, wie sie denkt. Tina sucht nach Lösungen, nicht nach Problemen. 

 

Ich hoffe, dass Tinas Geschichte Menschen in ähnlichen Situationen inspiriert, denn wie sie sagt, gibt es „auch andere Leute, die zu Hause sitzen und so viel Gutes tun könnten“. Ihr Beispiel zeigt, welche Chancen in schweren Situationen liegen und wie wertvoll Gespräche und liebevolle Verschönerungen des Lebensraumes sein können. Ich drücke Tina die Daumen, dass ihr Herzenswunsch, wieder ins Haus Mainblick zu dürfen, bald in Erfüllung geht. Die zweite Coronaimpfung hat sie schon und ihr Tatendrang ist ungebremst, denn „wenn der Herr Haas mich ruft und fragt, ob ich `ne Nachtschicht mache, würde ich sofort kommen. Auf alle Fälle und aus vollem Herzen“, so Christina „Tina“ Koch.

 

 

Axel S.

 


11.02.21