Tafelarbeit bei minus elf Grad

Die Tafel Ginsheim-Gustavsburg mit Ausgabestelle in Bischofsheim

„Die letzten zwei Wochen waren hart“, sagt Matthias Koranzki, der im August gemeinsam mit Anja Töws die Koordination der Tafel GiGu übernahm. „Alle ehrenamtlichen Helfer haben im Schneeregen bei minus elf Grad draußen gearbeitet. Niemand blieb zu Hause – wir haben ein großartiges Team“, bedankt sich Matthias bei den aktiven Tafelmitarbeiter*innen.

Die Tafel GiGu sammelt abgelaufene oder nicht verkaufte Lebensmittel in der Region ein und gibt diese an vier Tagen in der Woche an bedürftige Menschen von Ginsheim, Gustavsburg und Bischofsheim weiter. Vor Corona zählte das aktive Tafelteam rund 40 ehrenamtliche Helfer. Da sich ältere Mitglieder – die der Risikogruppe angehören – aktuell nicht an der Tafelarbeit beteiligen, stemmt aktuell ein Team von nur 25 Aktiven die umfangreiche Arbeit, die durch Corona-Sicherheitsmaßnahmen einen deutlichen Anstieg verzeichnete. 

Das ehrenamtliche Tafelteam ist bunt gemischt und besteht u.a. aus Geflüchteten, die etwas zurückgeben möchten oder Menschen, die Arbeitslosengeld II beziehen und sich gesellschaftlich engagieren wollen. 

 

„Corona ist eine große Herausforderung“

An sechs Tagen in der Woche sammeln ein Fahrer und Beifahrer im Tafel-Transporter Lebensmittel ein. An vier Tagen pro Woche bereiten rund 15 Tafel-Mitarbeiter die Ausgabe der Lebensmittel vor. Sie packen bis zu 70 Kisten, achten dabei penibel auf Hygiene und sortieren scheinbar nebenbei beispielsweise noch eine schlechte Orange aus einem kompletten Orangennetz aus. Diese Vorarbeit nimmt in der Regel drei bis vier Stunden in Anspruch, bevor die Tafelkunden eintreffen. Auch für Sauberkeit und Ordnung sorgt das ehrenamtliche Team selbst. So kümmert sich bei jedem Tafel-Einsatz mindestens eine Person ausschließlich ums Putzen der genutzten Räumlichkeiten.

„Vor Corona fand die Ausgabe der Lebensmittel in den evangelischen Gemeindehäusern statt. Aus Sicherheitsgründen gehen wir seit letztem März nach draußen vor die Häuser, bauen Pavillons auf, die uns vor Regen schützen, und packen die Kisten, um Kontakte zu reduzieren“, erklärt Matthias.

Auch der Anspruch an die Schatzmeisterin des Vereins stieg durch Corona deutlich. Thema sei dabei nicht nur die Finanzierung von Material, wie den orangenen Pavillons oder den Tafel-Sprintern, sondern auch komplizierte Abrechnungen mit Fördereinrichtungen. Büroarbeit fällt natürlich auch bei der Tafel GiGu an, denn jeder Gast erhält einen „Gästeausweis“, der auf Basis des Jobcenter- oder Rentenbescheids ausgestellt wird. 

 

Lieferservice für Senior*innen

Ein weiter Meilenstein der Tafelarbeit war für Matthias die engere Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bischem und der Stadtverwaltung GiGu. „Mir fiel auf, dass wenige Seniorinnen und Senioren zur Tafelausgabe kommen.So sprach ich Gregor Anger (leitet den Bereich „Personal und Soziales“ in GiGu) an. Er stellte den Kontakt zu Sabine Wilde-Naujoks von der Stadtverwaltung GiGu her und meine Kollegin Anja den Kontakt Nadine Ritters von der Gemeindeverwaltung Bischofsheim“, so Matthias. Sabine und Nadine ermöglichten, dass mittlerweile 15 Senior*innen regelmäßig mit einer Tafelkiste beliefert werden. Die Zustellung der Lebensmittelkiste erfolgt durch Fahrzeuge der Gemeinde- bzw. Stadtverwaltung, so dass keine beschrifteten Tafeltransporter vorfahren. „Der Erfolg der Verwaltungsmitarbeiterinnen ist für uns ein großes Geschenk. Zum einen erreichen wir mehr Menschen, die sich über Produkte freuen, zum anderen tragen wir zum Klimaschutz bei, weil noch weniger Lebensmittel weggeworfen werden“, freut sich Matthias.

Alle Senior*innen, die Tafelkisten brauchen, können sich gerne an die Seniorenbüros von GiGu bzw. Bischofsheim wenden.

 

Jeder bekommt sofort etwas

Bei den Tafelausgaben ist jeder in der Not willkommen. Auch ohne „Gästeausweis“ erhält jeder sofort Lebensmittel. Als kleinen Kostenbeitrag bittet die Tafel ihre Kunden um drei Euro pro Kiste. Diese Beträge finanzieren ein Teil des Benzins der Sprinter. Der Inhaltswert der Kisten beträgt zwischen 40 und 50 €.

Auffällig ist, dass seit Corona mehr Menschen den Weg zur Tafel finden. Auch Selbstständige seien dabei, was der Verband der Tafeln Deutschland bestätigt. Die Bedürftigkeit steige.

 

Spenden 

Für die Zukunft wünscht sich Matthias Koranzki weiterhin engagierte, ehrenamtliche Helfer und Spenden, die den Betrieb der Tafel GiGu sicherstellen. „2020 gab es viele Zuwendungen, durch die wir den Betrieb mit erhöhtem Aufwand aufrecht erhalten konnten. Darunter ist z.B. auch ein sympathisches Rentnerpärchen, welches jede Woche zwei voll bepackte Tüten vorbeibringt. Dies rührt mich sehr“, so Matthias. 

Infos über die Tafel GiGu (mit Ausgabestelle Bischofsheim) gibt’s unter www.tafel-gigu.de. Helfer und Spender können sich per E-Mail, Telefon oder persönlich (bei Tafelausgaben) direkt an die Koordinatoren Anja Töws und Matthias Koranzki wenden.



25.02.2021