Das Corona-Tagebuch der IGS-Mainspitze

Mit Homeschooling, Masken und Rücksicht durch die Krise

Über 700 SchülerInnen besuchen täglich die Integierte-Gesamtschule Mainspitze – kurz: IGS. Als ehemaliger Schüler interessierte ich mich dafür, wie es Lehrern und Schülern während der Corona-Zeit dort geht. Bei einem Interview mit der Schulleiterin, einem Lehrer und Schülern der 10. Klasse überraschten mich vor allem die Antworten der jungen Generation.

 

„Morgen fällt die Schule aus“ heißt ein Film der Reihe „Die Lümmel von der ersten Bank“ aus den 70er Jahren, in der Schüler Pete Nietnagel (gespielt von Hansi Kraus) nichts unversucht läßt und um Schulleiter Dr. Taft (gespielt von Theo Lingen) dazu zu bringen, den Unterricht abzusagen. 

Obwohl ich in den 1990er-Jahren geboren bin, kenne ich die Filme – und auch wenn die Schlaghosen von damals heute out sind, bringt der Filmtitel das Image von Schule, wie ich sie kenne auf den Punkt. Als Schüler freute ich mich über Ferien, Hitzefrei, Feiertage und spontane Schulausfälle.

1998 – also vor 22 Jahren – verließ ich als Abgänger die IGS Mainspitze. Bei meinem Besuch im September zum Corona-Interview war vieles neu und vertraut zugleich.

 

Eeeeeeiiiiiiii Maaaaaaskeeeeeeee!

Unser Date mit Schulleitung und Schülern war am Nachmittag. Als Andrea und ich uns mit Kamera und Mikrofon dem Schulgelände näherten, verließen einige Schüler gerade die IGS. Als wir die Grenze zwischen Bürgersteig und Schulgelände passierten, blieben die Schülergruppen stehen und riefen uns etwas zu. Sie gestikulierten stark, brüllten immer lauter und hörten erst auf, als wir zu ihrer Zufriedenheit reagierten. Ich fragte mich erst, warum sie uns so von der Seite anmachten, bis Andrea und ich checkten, dass sie uns auf die Maskenpflicht auf dem Schulgelände hinwiesen. Nachdem wir unsere Masken überzogen, waren sie still und spazierten gut gelaunt weiter.

 

Homeschooling

„Ich wünsche mir, dass die Schule weitergeht“, sagt Schülerin Aileen (16), als sie an die Zeit des Homeschooling zurückdenkt. „Am Anfang, als die Schule ausfiel, war es sehr angenehm, aber als Aufgaben kamen, war es nicht mehr so angenehm“, blickt Alexander auf den März zurück. Mit Computer und Smartphone kämpften sich die Schüler von März bis Juli durch’s „Alleine-Lernen“ und nutzten Google, YouTube sowie den elektronischen Kontakt zu ihren Lehrern. Gerade letztere stießen dabei öfter mal an ihre Grenzen, denn Erklärungen per E-Mail, WhatsApp oder Telefon kosten mehr Zeit, so dass Schüler auch mal länger auf die Rückmeldungen ihrer Lehrer warten mussten. 

Sehr glücklich ist die stellvertretenden Schulleiterin Birgit Olschewski-Denk darüber, dass Unterricht wieder in der Schule stattfindet. „Das E-Learning bietet eine gewisse Chance, aber die Mischung macht’s“, sagt die stellvertretende Schulleiterin, bevor sie nachdenklich wird und hinzufügt: „Die letzten Monate haben auch gezeigt, dass nicht in allen Haushalten Internetanschlüsse und Computer vorhanden und Smartphones zum Lernen nicht optimal sind“. So setzte sie sich im August nach dem Go für Schulöffnungen mit ihrem gesamten Kollegium für den sicheren Schulbesuch der aktuell 718 SchülerInnen ein. Neben eingezeichneten Abständen auf dem Boden, Desinfektionsmittelspendern an der Wand, unterschiedlichen Eingängen für Schülergruppen und Personenbegrenzung auf den Toiletten setzt die Schule zusätzlich auf eine besondere Maßnahme, die zum Erfolgsrezept wurde: Das Miteinander!

Mit den Worten „wir wollen, dass die Schüler aufeinander schauen und Rücksicht nehmen“, bringt Lehrer Herr Weiß die Grundidee auf den Punkt. Und die Strategie scheint aufzugehen: Die meisten Schüler halten sich an die Hygieneregeln, Kinder die noch Schwierigkeiten damit haben, bekommen die Wichtigkeit erklärt und einige Jugendliche legen auf die bestehenden Regeln noch eine Schippe oben drauf, indem sie ihre Maske freiwillig während des Unterrichts tragen. „Ich schütze mich und meine Familie, weil ich mehrere Risikopatienten in meiner Familie habe,“ erzählt Felix (16) der seine Mund- und Nasenmaske nur zum Essen und Trinken abnimmt. Viele seiner Mitschüler tragen aus Respekt vor allen, die mit Risikopatienten zusammen leben, ebenfalls den ganzen Schultag ihre Maske. „Ich möchte nicht, dass wegen mir Corona ausbricht und ich andere gefährde“, sagt Aileen. 

 

Mit ihrem Wunsch für die nächste Zeit sind sich Lehrer und Schüler einig: Die Schule soll offen bleiben! 

Als Grund dafür, dass es an der IGS-Mainspitze bisher keinen Corona-Fall gab, sieht die stellvertretende Schulleiterin das positive Miteinander. „Es hat ganz viel damit zu tun, dass die Beteiligten verstanden haben, dass es wichtig ist, die Regeln einzuhalten“, so Birgit Olschewski-Denk.

„Bisher sind wir sehr gut durchgekommen und ich hoffe, dass es auch gut weitergeht und wir gut durch den Herbst kommen“, so Lehrer Herr Weiß.

 

Nach dem Interview verließen Andrea und ich das Schulgelände mit einem sehr positiven Gefühl und mir –als ehemaligen Schüler – gingen nach dem Besuch die Eindrücke noch länger durch den Kopf. Damit, dass die Schüler aus Rücksicht ihre Masken freiwillig im Unterricht aufbehalten, hätte ich nicht gerechnet. Chapeau vor dieser gegenseitigen Wertschätzung! Überraschend war für mich die Ausstattung der Klassenräume mit digitalen Whiteboards und die Abwesenheit von Kreide. Diese technische Neuerung ging irgendwie an mir vorbei und jetzt finde ich Schultafeln wohl nur noch im Heimatmuseum. 

Trotz der Modernisierung ist sich die IGS-Mainspitze in den Punkten, die ich als Schüler schätzte, treu geblieben. Die Integrierte-Gesamtschule Mainspitze ist – nach wie vor – ein Ort der „Menschlichkeit“ und „Dialogen auf Augenhöhe“. 

Axel S.



08.10.2020