Auf einem Sandsteinblock im Sockel des Turms an der Hochheimer Straße ist zu lesen: „CHRISTO REGI 1926“. Die Gravur verweist auf den Namen und das Baujahr des katholischen Gotteshauses in Bischofsheim. Die „Christkönigskirche“ ist die erste ihrer Art in Deutschland und entstand nach den Plänen des Kölner Professors für kirchliche Kunst Dominikus Böhm. Im architektonischen Stil des sogenannten „Backsteinexpressionismus“ zeugt sein Werk von einer Neuorientierung sakraler Baukunst und erfährt bis zum heutigen Tage internationale Aufmerksamkeit. Fragt sich nur: Wer hat sie gebaut?
Auf den Spuren der Baufirma Gebrüder Astheimer, die zusammen mit dem Gustavsburger Gewerbebetrieb Fischer den Auftrag von der Pfarrgemeinde erhielt, treffe ich mich mit Berenike Astheimer-Heger, die in sechster Generation über die Bautätigkeit ihrer Vorfahren zu erzählen weiß. 1862 gründete Maurermeister Wilhelm Astheimer I. das Unternehmen, Sohn Adam übernahm 1892. Nach dessen Tod führte seine Frau, die in der Festschrift zum 125-jährigen Jubiläum liebevoll die „Astheimer-Mutter“ genannt wird, das Geschäft mit ihren sieben Buben (und einer Tochter). Es waren die beiden „Heimkehrer aus dem 1. Weltkrieg“ Wilhelm und Jakob, die 1918 unter dem Namen „Gebrüder Astheimer“ die Firma neu ins Leben riefen. Viele Gebäude in der Eisenbahnergemeinde entstanden bis zur Insolvenz 2007: private Villen und Sozialwohnungen, Industrieanlagen bei Opel, MAN und VDM, Bürgerhaus, Georg-Mangold-Schule, Feuerwehrgerätehaus, Volksbank und Klinker-Zentrum.
Das Wunder von Bischofsheim
Mit mehr als 100 Mitarbeitern wurde die neue Katholische Kirche gebaut. Und das in weniger als fünf Monate. Die 1902 errichtete St. Josephs-Kirche war baufällig und musste am 28. Juni 1926 abgerissen werden. An gleicher Stelle entstand „Christkönig“ und erlebte am 21. November 1926 „unter dem Rohbau die feierliche Kirchenkonsekration durch den Hochwürdigsten Herrn Bischof Dr. Ludwig Maria Hugo“, wie es Gemeindearchivar Elmar Heinrich Lanius in der Festschrift zum 40. Bestehen formulierte. Ein Wunder, nein: Das Wunder von Bischofsheim! „Zumal die komplette Konstruktion mit einem Schalgerüst aus Holz gefertigt werden musste“, berichtet die Urenkelin nicht ganz ohne Stolz. Und sie weiß, was sie sagt; denn sie ist vom Fach.
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Bretter und Beton für den Bau
Berenike ist die 1977 geborene Tochter der Schullehrerin Irmhild und Heinz Werner Astheimer und diplomierte Bau-Ingenieurin. Sie arbeitete bei der Hessischen Straßenbauverwaltung und heute als Referentin im Wirtschaftsministerium in Wiesbaden. „Wenn man im Innenraum genau hinschaut, dann sieht man noch die Maserung der Bretter“, die ebenso „händisch“ hergestellt wurden, wie auch die „Betonfüllung“ mit altmodischen Mischmaschinen. Das konnte nur in mehreren Arbeitsschichten und zusätzlichen Handwerkern geleistet werden. Und vermutlich erst nach der Weihe seien Glockenturm und Kirchengebäude mit den für die damalige Bauweise so typischen rötlichen Backsteinen „verblendet“ worden.
Berenike Astheimer-Heger ist Protestantin und lebt die Ökumene. Sie ist Mitglied in der Landessynode, war im Kirchenvorstand und erinnert sich, dass wegen der Sanierung der Evangelischen Kirche Gottesdienste in Christkönig stattfanden. Sie ist mit Wolfgang Heger verheiratet, die sich in familiären Zusammenhängen kennen gelernt haben: „Wir sind Cousine und Cousin dritten Grades.“ Sie sind Eltern von Jakob, der damit auch vom Namen her die Dynastie der Astheimer fortsetzt. Von den Baumeistern für Christkönig wird Berenike Astheimer auch beim „Abend der Erinnerungen“ im Rahmen des Programms zum 100-jährigen am Freitag, 20. März im Katholischen Gemeindesaal in der Untergasse erzählen.
Professor Dr. Wolfgang Schneider
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