Am Altrhein bei Ginsheim liegt ein ganz besonderes technisches Denkmal: die Schiffsmühle. Gerade an den Osterfeiertagen bietet sich hier eine wunderbare Gelegenheit für einen Ausflug – denn von Karfreitag bis Ostermontag öffnet die Mühle ihre Türen für Besucherinnen und Besucher. Führungen gibt es um 14 Uhr und 15:30 Uhr.
Über mehrere Jahrhunderte hinweg prägten Schiffsmühlen das Bild des Rheins vor Ginsheim. „Zeitweise lagen hier bis zu 21 dieser schwimmenden Mühlen gleichzeitig vor Anker. Sie mahlten Getreide direkt auf dem Wasser – angetrieben allein durch die Kraft der Strömung. Erst mit der Industrialisierung und dem zunehmenden Schiffsverkehr verschwanden diese kleinen Betriebe nach und nach aus dem Flussbild“, erzählt Harald Schlott, Vorsitzender des Vereins Schiffsmühle Ginsheim am Rhein e.V. Heute erinnert eine originalgetreu rekonstruierte Schiffsmühle an diese Zeit und macht Geschichte wieder erlebbar. Sie liegt gut erreichbar in der Verlängerung der Bouguenais-Allee, hinter dem Damm, idyllisch im Altrhein.
Technik, die fasziniert: Wer die Mühle besucht, taucht tief in die Technik vergangener Zeiten ein. Das große Wasserrad dreht sich gemächlich mit nur zwei bis drei Umdrehungen pro Minute. Doch durch ein ausgeklügeltes Getriebe wird diese langsame Bewegung stark beschleunigt: Erst dadurch können die Mühlsteine mit rund 100 Umdrehungen pro Minute arbeiten und Getreide wie Roggen oder Weizen mahlen. Die Mühle ist in zwei zentrale Bereiche gegliedert: Die Reinigung des Getreides und die eigentliche Mahlstrecke. Gerade diese anschauliche Technik macht den Besuch so spannend – man versteht unmittelbar, wie viel Ingenieurskunst schon vor über 100 Jahren im Alltag steckte.
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Engagement für die Nachwelt
Hinter der Schiffsmühle steht viel ehrenamtliches Engagement. Dr. Harald Schlott, erster Vorsitzender des Vereins Schiffsmühle Ginsheim am Rhein e.V., beschreibt die Motivation so: Es gehe darum, ein technisches Denkmal zu bewahren, das zeigt, wie früher in Ginsheim gearbeitet wurde.
Die heutige Mühle ist ein Nachbau der historischen Anlage, die bis 1928 im Rhein in Betrieb war. Später wurde das Original nach Mainz verlegt und im Zweiten Weltkrieg zerstört. Der Nachbau entstand 2011 in Speyer und ist seitdem ein lebendiger Erinnerungsort.
Gleichzeitig weist Harald darauf hin, dass das Projekt auf neue Mitstreiter angewiesen ist: Viele der Aktiven sind seit Jahren dabei, doch Nachwuchs wird dringend gesucht, um die Mühle langfristig zu erhalten.
Ein lohnendes Ausflugsziel zu Ostern
Ein Besuch der Schiffsmühle ist gerade an Ostern eine schöne Idee: Die Kombination aus Frühlingsluft, Rheinlandschaft und lebendiger Geschichte macht den Ausflug besonders reizvoll. Ob als Familie, als Paar oder allein – die Mühle bietet einen ungewöhnlichen Einblick in das Leben und Arbeiten vergangener Generationen. Wer Gefallen daran findet, sollte sich auch den Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag vormerken. Dann wird rund um die Mühle gefeiert – mit Musik, Essen und vielen interessierten Gästen. Doch zunächst gilt: Die Osterfeiertage stehen vor der Tür. Und die Schiffsmühle in Ginsheim ist bereit, ihre Geschichte zu erzählen.
„Wir wollten für die Nachwelt ein technisches Denkmal schaffen, das zeigt, wie man vor etwa 100 oder 120 Jahren in Ginsheim Getreide gemahlen hat.“
Dr. Harald Schlott
Vorsitzender des Vereins
Schiffsmühle Ginsheim am Rhein e.V.
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