Schon ganz früh hört sie von anderen: „Das Kind kann schön malen.“ Und irgendwie hat sie es autodidaktisch geschafft, die Bildende Kunst zu Passion und Profession zu machen. Mit Pinsel und Stift, aber auch mit Radiernadel und Drahtbürste geht sie an die Arbeit. Ihre Werkserien heißen „Kopfgeburten“, „Körperlandschaften“ und „Linienherbarium“. Sie sagt selbst von sich: „Ich bin Forschungsreisende in Sachen Linie.“ Ellen Ribbe treffe ich nach jahrzehntelanger Nachbarschaft beim Ausräumen des Ateliers in Bischofsheim, auf dem Weg von Südhessen nach Nordfriesland. Ihr PKW trägt schon das Autokennzeichen NF, ihr Elternhaus wird verkauft und die neue Heimat heißt Hattstedtermarsch.
Das hat seine Gründe und war schon ein lang gehegter Wunsch von Ellen und Mathias Ribbe. Mit dem Verkauf der Schreinerei beginnt für beide ein neuer Lebensabschnitt; denn in die „traumhafte“ Gegend der Großeltern ihres Ehemannes habe sie sich „arg verliebt“: Dort gäbe es die leckersten Krabbenbrötchen, einen ehemaligen Gasthof mit Tanzsaal als Kunstatelier, ein Musikzimmer und „eine Landschaft, die zu vier Fünfteln aus Himmel besteht“. Und zitiert dabei Emil Nolde, den Maler der Künstlervereinigung „Brücke“, dem ganz in der Nähe ein Museum gewidmet ist.
Von „Rippe“ zu „Ribbe“
Als Tochter von Klara Margarete und Richard Wolf wuchs sie zusammen mit ihren beiden Brüdern auf, die bei der Sportvereinigung 1907 Fußball spielten. „Es war die Hölle zu Hause, wenn sonntags beim Mittagessen Manöverkritik geübt wurde.“ Der Vater war nämlich nach seiner aktiven Zeit Trainer und Linienrichter. „Ein klapperdürrer Hecht“, der den Spitznamen „Rippe“ ertragen musste. „Das gab erstmal Verwirrung als ich den Ribbe geheiratet habe.“ Ihren Ehemann lernte sie im Hinterhof der Scheidungsanwältin Isabella Engert-Steffens kennen, der die dortige Schreinerei übernommen hatte. Aus erster Ehe stammt Sohn Max, aus der zweiten Tochter Johanna.
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Von der Musik zur Kunst
Ellen Ribbe konnte und kann nicht nur gut malen, sondern auch gut singen. Denn zunächst war die Musik ihr Lebenselixier. Sie startete als Lead-Sängerin von „Ellen and friends“ mit Rock, Blues sowie Soul und zusammen mit Thomas Kolmar, Bernd Claas und anderen waren sie als „Trick Bag“ drei Jahrzehnte seit der Premiere beim Brunnenfest des Deutschen Roten Kreuzes in der Böckler-Siedlung erfolgreich und durften bei keiner Kerb fehlen. Sie lernte Verwaltung unter Bürgermeister Hans Dorr, machte Abitur und arbeitete bei Bank und Versicherung, bevor sie die Büroarbeit der eigenen Schreinerei übernahm. „Und dann kam die Kunst ins Spiel“, erzählt sie mit großer Begeisterung. Bei der Malerin Inge Besgen machte sie ihre „Malschule“ in Rüsselsheim, wurde Mitglied im dortigen „Malkasten“ und genoss nebenberuflich die Ausbildung „Wege in die Professionalität“ an der Freien Kunstakademie in Augsburg.
Ellen Ribbe war Vorsitzende des „Runden Tischs Kultur“ in Bischofsheim, der unter anderem die Kunstausstellung „Gangart“ ins Leben rief. „Nicht ICH zeichne, ES zeichnet,“ behauptet sie im Gespräch. Und berichtet von den vielen hundert „Tageblättern“, von zahlreichen Ausstellungen in Dänemark und Frankreich sowie von „ihrer“ Galerie in Husum, den Büchern mit ihren Werken und der nächsten Ausstellung im Museum Niebüll. Schade, dass sie geht, schön, dass wir wissen wohin.
Professor Dr. Wolfgang Schneider
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