„Strahlender Sonnenschein und ein Maientag, wie man sich ihn schöner kaum deuten konnte“, schreibt der Lokal-Anzeiger nach dem Festakt zur Eröffnung des neuen Kindergartens auf dem alten Friedhof am Parkweg zum 1. Mai 1951. Bürgermeister Karl Graf von der SPD hatte sich schon eine Ausgabe vorher „gestattet“, „die gesamte Bevölkerung“ von Bischofsheim herzlichst einzuladen. In seiner Rede sprach er von einem „sozialen Werk“; denn nach dem Kriege, sei es die Aufgabe, „besonders die heranwachsende Jugend zu betreuen, da sie es ja sei, die später einmal die Last des Staates zu tragen habe“. Gekommen waren neben Landrat Jean Christoph Harth die verantwortlichen Handwerker der Gebrüder Astheimer und der Meisterbetriebe von Adam Glock, Ludwig Engert, Franz Bönder, Josef Haus, Georg Sieben, Karl Weisel u.a. Architekt Heinrich Seng übergab den Schlüssel und die fünfjährige Renate Schrimpf einen Tulpenstrauß, begleitet von der Kapelle „Lyra“ und den Gesangvereinen „Germania“, „Eintracht“ und „Liederkranz“.
Schwester Käthe war die Autorität in Person
„Erst am Tag danach kamen wir“, erzählt mir Rosemarie Spalteholz, die demnächst 80 Jahre alt wird und viel aus ihrer Kindergartenzeit zu erzählen weiß. Aber zunächst hieß es von den Eltern: „Bei der Einweihung hawwe Kinner nix zu suche!“ Das erste Mal wurde sie von der Mutter gebracht, danach musste sie den kurzen Weg von der „Moagass“ selbst finden – allerdings immer zusammen mit dem Nachbarsjungen Dieter Bangert. Empfangen wurden sie von „Schwester Käthe“ im dunklen Kleid mit weißer Schürze und einem „gestärkten Schwesternhäubchen auf dem Kopf“. Sie war „die Autorität in Person“ und herrschte neben Tante Ruth, Tante Hildegard und Tante Gerda im großen Saal des halbrunden Anbaus.
Spielen mit Kindern, drinnen und draußen
„Wer sich nicht ordentlich benahm, wurde in die Ecke gestellt und musste beide Hände vor die Augen halten.“ Um 9 Uhr gab es das mitgebrachte Frühstück aus dem „Umhängetäschchen“, mit Tee aus dem „Puddelchen“. Drinnen durfte an Tischgruppen gespielt werden, mit Bauklötzen und Knetmasse, gebastelt wurde zu Ostern und Weihnachten, ansonsten vorgelesen und gesungen. Große Begeisterung gab es, wenn es nach draußen ging. Da war ein Planschbecken, „aber leider ohne Wasser“ und viel Platz zum Nachlaufen und Verstecken, für „Blindekuh“ und „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“. Mit lautem Klatschen wurde die Auszeit von Schwester Käthe beendet. „Und um 13 Uhr war Schluss.“ Rosemarie Spalteholz möchte diese zwei Jahre vor der Grundschule mit mehr als drei Dutzend Kindern pro Gruppe nicht missen, kommt aber rückblickend zu dem Schluss: „Damals war Kindergarten mehr eine Aufbewahrungsanstalt!“
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Den Kindergarten Parkweg besuchte sie immer wieder mal nach dem Schulunterricht, um sich im 1. Stock Lektüre in der Gemeindebücherei auszuleihen. Nach der Mittleren Reife wurde sie Versicherungskauffrau. Beim Paddeln auf dem Ginsheimer Altrhein hat sie Günter Spalteholz kennengelernt und geheiratet hat. Sie arbeitete später in Arztpraxen und unterstützte ihren Ehemann, als dieser sich als Masseur im Klinker-Zentrum selbständig machte. Nach dessen Tod fand sie Halt bei Tochter, Enkel und vier Urenkeln. Mit den jüngeren Geschwistern Ursula und Stefan wird sie ihr rundes Wiegenfest feiern, bei dem sicher auch wieder Geschichten über die Kindergartenzeit erzählt werden.
Professor Dr. Wolfgang Schneider
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