Zwischen Dunkelheit und Licht

50 Jahre Kommunales Kino Mainspitze gefeiert

Axel Schiel (Gründungsmitglied des Kinovereins), Bürgermeisterin Lisa Gößwein, Prof. Dr. Wolfgang Schneider,

Frauke Nussbeutel (Vorstand des Kinovereins) und Bürgermeister Thorsten Siehr

Wenn im Kinosaal das Licht erlischt, beginnt der Moment, in dem aus Alltag Geschichten werden, aus Stimmen Gedanken und aus einer weißen Leinwand ein Fenster zur Welt. Genau dieses Zusammenspiel aus Dunkelheit, Licht und gelebter Kultur stand im Mittelpunkt eines besonderen Abends: 50 Jahre Kommunales Kino Mainspitze wurden am Montag, 27. April 2026, in den Burg-Lichtspielen Gustavsburg gefeiert.

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Rund 70 Gäste waren gekommen, um dieses halbe Jahrhundert Filmgeschichte zu würdigen, in dem das Kino weit mehr war als Unterhaltung. Es war und ist ein Ort der Begegnung, der Bildung und des gemeinsamen Erlebens. In den Grußworten wurde die Verwurzelung in der Region deutlich: Die Bürgermeisterin von Bischofsheim erinnerte an die Anfänge im Jahr 1975 im damaligen Capitol-Kino. Dort begann alles mit Filmreihen, die bewusst über den Mainstream hinausgingen und den Blick weiteten. Filme wurden hier nicht nur gezeigt – sie wurden diskutiert, eingeordnet und verstanden. Auch der Bürgermeister von GiGu blickte zurück. Mit der Sanierung der Burg-Lichtspiele habe man dem Kommunalen Kino eine neue Heimat gegeben und zugleich ein klares Zeichen gesetzt: Kultur gehört ins Zentrum des Gemeinwesens. Dass dieses Haus bis heute generationsübergreifend wirkt – von Schulkinowochen bis zum Seniorenkino – sei Ausdruck eines lebendigen kulturellen Auftrags. Der Verein Freunde der Burg-Lichtspiele Mainspitze griff das Bild des Kinos als wachsenden Organismus auf. Was einst als „kleines Pflänzchen“ begann, sei heute ein vielfältiges Kulturangebot mit Strahlkraft weit über die Filmvorführungen hinaus. Doch dieser Weg war nicht immer einfach: Ob drohender Abriss, improvisierte Übergangslösungen im Theaterzelt oder der Einsatz für den Erhalt von Spieltagen – immer wieder brauchte es Engagement, Mut und Leidenschaft, um das Licht auf der Leinwand am Brennen zu halten. Einen eindrucksvollen Blick hinter die Kulissen der Filmkultur bot die Rede von Professor Dr. Wolfgang Schneider, der die Entwicklung des Kommunalen Kinos über Jahrzehnte geprägt hat. Für ihn ist das Kino ein „Ort der Sinne“, ein Raum für Augen, Ohren, Kopf und Bauch. Seine Worte machten deutlich: Film ist nicht nur ein Produkt, sondern ein künstlerisches Ereignis – und das Kommunale Kino dessen Bühne.

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Nach so viel Geschichte und Gegenwart durfte natürlich auch der Film nicht fehlen. Gezeigt wurde der Klassiker „Sein oder Nichtsein“ von Ernst Lubitsch aus dem Jahr 1942 – bewusst in der ursprünglichen 35-mm-Analogfassung. Und genau hier zeigte sich, wie lebendig Kino jenseits digitaler Perfektion sein kann. Denn die Projektion selbst wurde an diesem Abend zur Metapher für das, was Kino ausmacht: ein Spiel aus Licht, Technik – und menschlichem Können. Gleich zu Beginn lief der Film ohne Ton. Doch Magnus und Pascal Treber reagierten schnell und brachten Bild und Klang wieder zusammen. Später dann ein Moment, der fast schon vergessen schien: ein echter Filmriss. Doch auch hier zeigte sich die Erfahrung hinter den Kulissen. Filmvorführer Klaus Wagner reparierte den Schaden routiniert, und wenig später flimmerte das Licht wieder durch den Raum. Diese kleinen Pannen machten deutlich, dass Kino mehr ist als perfekte Technik. Es lebt von Menschen, die improvisieren, bewahren und weitermachen – auch wenn der Film einmal reißt.

 

So endete der Abend, wie ein guter Film enden sollte: nicht mit einem Schluss, sondern mit einem Gefühl. Denn solange das Licht im Projektor angeht und Menschen sich vor einer Leinwand versammeln, wird die Geschichte des Kommunalen Kinos weitergeschrieben.


neuesausdermainspitze.de // 07.05.2026