Demnächst erfreuen uns wieder sogenannte Feiertage. Was wird eigentlich gefeiert, geht es nur um „kurz-mal-weg“ an den Brückentagen? Einer, der es wissen muss, ist der katholische Pfarrer Karl Zirmer. Ich treffe ihn im Pfarrhaus an der Christkönigskirche, die das ganze Jahr ihr 100. Jubiläum feiert. Gefeiert wird aber auch in den nächsten Wochen Himmelfahrt, Pfingsten sowie Fronleichnam. „Himmelfahrt gedenken wir Christen der Aufnahme Jesu Christi als Sohn Gottes bei seinem Vater im Himmel.“ So hat der populäre „Vatertag“ im Volksmund möglicherweise auch einen Bezug zur Bibel.
Die Predigt des Petrus als Geburtsstunde der Kirche
Fünfzig Tage nach Kreuzigung und Auferstehung „konzentrieren wir uns auf den heiligen Geist“, der den Aposteln erschienen ist, sie auffordert, die christliche Botschaft zu verkünden und sich taufen zu lassen. „Petrus hält seine erste flammende Rede“, doziert der Pfarrer, „und diese Predigt gilt als die Geburtsstunde der römisch-katholischen Kirche.“ Und was ist mit Fronleichnam? „An diesem Tag tragen wir die Hostie als Leib Christi in der Monstranz hinaus in die Welt und zeigen die bleibende Gegenwärtigkeit unseres Heilands.“
Karl Zirmer ist selbstverständlich bibelfest. Er kennt den Text, die Geschichte und die Geschichten des Christentums. Ich frage: Wo und wie lernt man das? Und er gewährt mir Einblick in sein Leben „in schwieriger Zeit“. Geboren wird er 1959 in Sanktanna in Rumänien. Seine Familie gehörte der Volksgruppe der Banater Schwaben an, die dort im 18. Jahrhundert im Habsburger Kaiserreich unter Maria Theresia angesiedelt wurden. Zirmers katholische Großmutter habe „positiven Einfluss“ auf seine Erziehung in der kommunistischen Volksrepublik gehabt.
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Katholizismus im Kommunismus
In der ersten bis achten Klasse durfte Deutsch gesprochen werden, Religionsunterricht wurde in der Kirche erlaubt. Aus dem Ministranten wurde ein Student der katholischen „Kantoren-Schule“ und nach elf Semestern am Theologischen Institut erhielt Karl Zirmer 1985 die Weihe zum Diakon. In Temeswar erlebte er die Repression der Diktatur. Gottesdienste wurden protokolliert, die Post kontrolliert. „Zweimal hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, die Securitate zu Gast zu haben“, erzählt er eher verharmlosend. Denn der rumänische Sicherheitsdienst war bekannt für die brutale Unterdrückung der Bevölkerung.
Neben „Christkönig“ braucht es „No Kings“
Mit dieser Erfahrung kam er 1991 nach Deutschland, über Großen-Buseck und Saulheim nach Bischofsheim. „Die Freiheit der Menschen ist mir ein großes Anliegen“, resümiert er mit Blick auf seine eigene Biografie, „und die Demokratie gilt es zu verteidigen!“ Wenn Christus unser König ist, „brauchen wir keinen anderen Herrscher“ und zitiert die derzeitige Bürgerbewegung in den USA „No Kings“. Was Katholiken derzeit beschäftigt, ist nicht nur die Rolle der Frauen, das Zölibat und die Vergangenheitsbewältigung des Klerus, sondern auch der Umbau der Kirche. Beim pastoralen Weg geht es um die zukünftige „Pfarrei St. Anna AKK-Mainspitze“, der Zusammenschluss von sechs Pfarreien in der Region. Doch in diesen Tagen muss Karl Zirmer vor allem die Gottesdienste zu Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam vorbereiten, besondere Ereignisse der Besinnung und eben nicht nur Freizeit-Feiern.
Professor Dr. Wolfgang Schneider
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