Fällt das Altrheinfest aus oder kann es im Herbst stattfinden?

Nachdem das Burgfest coronabedingt abgesagt werden musste, brodelt die Gerüchteküche in Ginsheim. Fakt ist, dass das beliebte Volksfest nicht vom 4. bis 7. Juni stattfinden kann, die Sport- und Kulturgemeinde (SKG) aber eifrig um eine Verlegung bemüht ist. Im Gespräch mit dieser Zeitung macht SKG-Vorsitzender Klaus Metzger deutlich, dass alle Vorbereitungen für eine Verlegung getroffen wurden: ein Plan B für den 17. bis 20. September. Hierzu laufen auch entsprechende Absprachen, so der Vorsitzende, denn sowohl die Bands als auch das Feuerwerk seien gebucht. Die Planungen laufen allerdings unter dem Vorbehalt der Entwicklung der Pandemie-Situation. Dabei müssen sowohl die Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes, die Landesregelungen als auch die Verfügungen seitens des Kreises und des Gesundheitsamtes in Einklang gebracht werden. Ein schwieriges Unterfangen im Bewusstsein, dass das Altrheinfest auch in diesem Jahr eventuell nicht stattfindet. Eine endgültige Entscheidung werde im Juli gemeinsam mit den Vereinen getroffen, „da danach die Kosten verursachenden Maßnahmen entstehen." Da stellt sich die Frage nach der Historie des beliebten Ginsheimer Volksfestes, die Klaus postwendend zu beantworten weiß. Das Altrheinfest hat seinen Ursprung in den 1950er Jahren. Ein Sommerfest, das der frühere Ginsheimer Carneval-Verein am Bansen veranstaltete. Mit der Auflösung der Fastnachts-Korporation ging im Jahr 1964 die Organisationsarbeit auf die SKG über. Arithmetisch ist die Historie des Volksfestes nicht auszumachen, betont Klaus Metzger. Einem Bericht der lokalen Presse zufolge wurde anlässlich des Altrheinfestes 1964 vermeldet, dass nach 15-jähriger Tätigkeit das Volksfest nunmehr in der Verantwortung der SKG stehe.

Ein Volksfest am Altrhein, bei dem zunächst ein großes Festzelt errichtet wurde, kurze Zeit später die Musikfans vor der Bühne die Bands rhythmisch zu unterstützen wussten. Nachdem dieses Konzept nicht mehr den erwünschten Zuspruch fand, wurde im Jahr 1982 einem neuen Format unterzogen. Ein Wendepunkt in der musikalischen Vielfalt, bei dem der damalige SKG-Vorsitzende Hans Matthes und seine Vorstandskollegen bei der Neugestaltung auch die Vereine mit einbezogen.

Ein bekanntes Format, das sich im Laufe der Zeit fortentwickelte. Ein Fest, das auch viele Musikfans aus Mainz nicht zuletzt auf Grund der idyllischen Lage am Altrhein in den Bann zog.

Der Pandemie geschuldet fiel das Altrheinfest im vergangenen Jahr aus, in der langen Geschichte sahen sich die Ginsheimer mit dem Hochwasser konfrontiert. So im Jahr 2013, als in der Nacht zum Samstag aufgrund der überschwappenden Wasserfluten kurzfristig wieder alles abgebaut werden musste. Zwei Mal drohte das Volksfest infolge des Hochwassers auszufallen, da hatte der Veranstalter aber bereits Vorsorge getroffen. Zum einen eine Verlagerung ans Bürgerhaus und die angrenzenden Parkflächen, zum anderen wich man in den Ortskern aus, in dem heute die „Neue Sporthalle“ steht.

Was bedeutet nun der möglicherweise zweite coronabedingte Ausfall für den Dachverband und dessen Mitgliedsvereine? Die SKG sei davon „lediglich ideell betroffen, aufgrund der Vertragsgestaltungen seien die finanziellen Folgen gering", betont Vorsitzender Klaus Metzger. Insofern müsste „lediglich die ehrenamtlich erbachte Arbeit als umsonst eingeordnet werden.“ Vielmehr sorgt sich Klaus um die das Fest tragenden Vereine, denen erneut die generierten Umsätze an ihren Ständen wegbrechen. Und wie sieht es mit den Bands und den Schaustellern aus? Für die Musiker ginge es in erster Linie darum, ihrem teilweise semiprofessionellen Hobby nicht frönen zu können. Den Schaustellern hingegen brächen aber in diesem Jahr erneut sämtliche Einnahmequellen weg, so Klaus Metzger. Erfreut registriert der SKG-Vorsitzende, dass sich in den vergangenen zehn Jahren keine Vereine aus der Standbeschickung zurückgezogen haben. Neue Interessenten haben sich allerdings auch nicht gemeldet. Bedauerlich ist, dass in diesem Jahr der Verein für Städtepartnerschaften eine Pause angekündigt hat.

Finanziell will die Stadt nach vielen Jahren die Vereinsförderrichtlinien anpassen. Sponsoren verhalten sich aufgrund ihrer wirtschaftlichen Lage eher zurückhaltend. Die Besucher-Anzahl sei nur schwer zu ermitteln, so Klaus Metzger. In Spitzenzeiten haben sich auf dem Festgelände an den vier Tagen 10 000 Personen aufgehalten. Die elf teilnehmenden Vereine stellen zwischen 50 bis 100 Helferinnen und Helfer zur Verfügung, die beim Auf- und Abbau und an den Ständen ihren Gemeinschaftsgeist zum Ausdruck bringen.

Norbert Fluhr



03.06.2021