Beim FC Germania Gustavsburg rollt der Ball seit 121 Jahren. Doch während auf dem Platz um Punkte, Tore und Nachwuchstalente gekämpft wird, läuft hinter den Kulissen längst ein anderes Spiel: der zermürbende Kampf um eine funktionierende Sportanlage. Für viele im Verein fühlt sich die Partie inzwischen wie ein Auswärtsspiel auf tiefem Boden an — mit ständig neuen Hindernissen, aber ohne Schlusspfiff.
Der Traditionsverein gehört zu den wenigen Fußballclubs in der Umgebung, die noch ohne Kunstrasenplatz auskommen müssen. Gespielt und trainiert wird auf einem Naturrasenplatz und einem Hartplatz — Bedingungen, die nach Ansicht vieler Vereinsmitglieder schon lange nicht mehr zeitgemäß sind.
Dabei hat die Germania in den vergangenen Jahren sportlich eine beeindruckende Aufholjagd hingelegt. Vor fünf Jahren stand der Nachwuchsbereich praktisch vor dem Kollaps. „Damals hatten wir genau eine Jugendmannschaft“, erinnert sich der 1. Vorsitzende Guido Froitzheim. Gemeinsam mit Andy Merz und dessen Fußballakademie stellte der Verein die Jugendarbeit neu auf. Heute trainieren wieder rund 160 Kinder und Jugendliche beim FC Germania. „Das zeigt, welches Potenzial hier vorhanden ist“, sagt Andy Merz. Doch die Freude über die Entwicklung werde immer wieder von den Problemen rund um die Sportanlage ausgebremst.
Beim Pressegespräch beschreiben Andy und Guido die Situation als frustrierend. Zwar komme man mit den Ansprechpartnern der Stadtverwaltung persönlich gut zurecht, doch auf E-Mails folgten häufig lange Wartezeiten oder Hinweise auf fehlendes Personal. „Das nimmt uns Planungssicherheit“, sagt ein Vereinsmitglied. Ein anderer wird deutlicher: „Wenn ich in meiner Firma so arbeiten würde, würde ich meinen Job verlieren.“
Besonders bitter verlief der vergangene Winter. Wegen eines Defekts an der Flutlichtanlage fiel über längere Zeit Training aus. Nach einem Einbruch in den Schiedsrichterraum im Januar wurde eine zerstörte Tür durch eine gebrauchte Tür ersetzt — allerdings eine, die bis heute nicht richtig schließt. „Wir haben angeboten, selbst eine Tür im Baumarkt zu kaufen, damit der Schiedsrichter die Tür wieder schließen kann“, berichten Vereinsvertreter. Dies sei jedoch wegen der Ausschreibungspflicht der Stadt nicht möglich gewesen.
Der jüngste Aufreger betrifft jedoch den Rasenplatz selbst. In einem emotionalen Facebook-Beitrag machte der Verein Ende Mai seinem Ärger Luft. „Das Maß ist voll — oder wie man bei der Germania sagt: Der Kessel ist leer“, schrieb der Club. Hintergrund ist der Ausfall der Bewässerungsanlage. Der Druckkessel hatte Anfang Mai die TÜV-Prüfung nicht bestanden und musste sofort außer Betrieb genommen werden.
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Die Folgen sind sichtbar:
Unter Temperaturen von teils über 30 Grad verwandelte sich der Platz zunehmend in eine trockene, harte Fläche. Der Verein wandte sich daraufhin an die Öffentlichkeit — und bekam Unterstützung aus der Region. Die „Rasenprofis“ aus Ginsheim begutachteten den Platz und empfahlen, den Trainingsbetrieb vorerst auszusetzen. Selbst ein geplantes Bundesliga-Cricketspiel musste abgesagt werden. Auch aus der Politik kamen Reaktionen. Die CDU GiGu sowie Magistratsmitglied Herbert Klippel von den Freien Wählern meldeten sich beim Verein. Landwirt Peter Guthmann rückte sogar mit einem Tankwagen an, um den Platz zu bewässern und stellte einige Tage später sogar ein großer Landwirtschafts-Rasensprenger auf (mit Aggregat), der längs über den Platz gezogen wurde und so mehrere Stunden den Platz bewässerte. Dieser Vorgang soll dann in den nächsten Tagen auch wiederholt werden.
In diesen Tagen denkt Guido Froitzheim oft an frühere Zeiten zurück. Genauer gesagt an Willi Gmeiner, den langjährigen Platzwart der Germania. „Das war noch ein Platzwart der alten Schule“, sagt Froitzheim. Damals habe Gmeiner die Beregnungsanlagen noch von Hand aufgestellt und mehrmals täglich umgesetzt –mit Hingabe und Blick fürs Detail.
Überhaupt lebt der Verein bis heute vom großen Engagement seiner Mitglieder. Ehrenamtliche streichen Wände, unterstützen bei der Grünpflege oder bauen Ballschränke in Eigenregie. „Die Menschen im Verein, die hier mit Herzblut arbeiten, haben das Gefühl, dass ihnen die Arbeit zusätzlich erschwert wird“, beschreiben Andy Merz und Guido Froitzheim die Stimmung.
Die Sorge im Verein geht inzwischen über einzelne Reparaturen hinaus. Man empfinde die Situation als existenzbedrohend. Denn schlechte Trainingsbedingungen könnten langfristig Mitglieder kosten. Familien würden sich irgendwann nach anderen Vereinen umsehen. „Manchmal möchte man resignieren – aber das machen wir natürlich nicht“, sagen Andy und Guido fast gleichzeitig.
Die Stadtverwaltung weist den Vorwurf mangelnder Unterstützung zurück. Auf Anfrage erklärte sie, die Sportinfrastruktur habe hohe Priorität. Man arbeite „mit Hochdruck“ an einer Lösung für die defekte Bewässerungsanlage. Der Druckkessel habe aufgrund starker Erosionsschäden keine TÜV-Zulassung mehr erhalten. Gemeinsam mit Fachfirmen werde derzeit nach Ersatz gesucht. Für die Reparatur stünden vorsorglich 28.000 Euro im Haushalt bereit. Zudem verweist die Verwaltung auf die gefundene Übergangslösung mit Unterstützung von Landwirt Peter Guthmann (Guthmann Söhne GbR mit Sitz in Ginsheim und Bischofsheim). Dadurch bestehe aktuell keine Gefahr für den Spielbetrieb. Auch die zwischenzeitlich ausgefallene Flutlichtanlage sei nach einem Schmorbrand mit großem Einsatz wieder repariert worden. Außerdem arbeite die Stadt weiter an einer grundlegenden Sanierung der Sportanlage. Ein erster Antrag auf Bundesförderung sei zwar gescheitert, im Herbst solle jedoch ein neuer Versuch gestartet werden.
Beim FC Germania hofft man nun, dass aus Ankündigungen bald konkrete Maßnahmen werden. Denn nach 121 Jahren Vereinsgeschichte wollen die Germanen nicht wegen maroder Infrastruktur ins Straucheln geraten. Sportlich hat der Verein in den vergangenen Jahren schließlich bewiesen, dass auch nach schwierigen Halbzeiten noch ein Comeback möglich ist.
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