Drei Kinder, Bundestag, Wahlkampf – und zwischendrin Zugfahrten mit Kinderwagen, Stillpausen zwischen Ausschusssitzungen und Kommunalpolitik in Ginsheim-Gustavsburg. Wer mit Melanie Wegling spricht, merkt schnell: Hier erzählt niemand eine glattgebügelte Politikerkarriere. Eher eine Geschichte darüber, wie man sich in Herausforderungen hineinwächst.
„Demokratie ist nicht perfekt – aber die am wenigsten
schlechte Staatsform, die wir haben.“
Melanie Wegling
Die Kommunalpolitikerin aus Ginsheim-Gustavsburg Melanie Wegling (SPD) war bis 2025 direktgewählte Bundestagsabgeordnete für die Kreis Groß-Gerau.
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Im Redaktionsgespräch spricht die SPD-Politikerin offen über ihre Zeit als Bundestagsabgeordnete – und darüber, wie Familie und Politik gleichzeitig funktionieren können. Oder eben manchmal auch nicht.
Als Melanie Wegling 2021 in den Deutschen Bundestag gewählt wurde, war ihr Sohn Anton gerade einmal ein halbes Jahr alt. Für viele wäre das der Moment gewesen, Karriere oder Familie gegeneinander abzuwägen. Für sie und ihren Mann stand fest: „Eigentlich darf das heute keine Entweder-oder-Frage sein.“
Also ging es gemeinsam nach Berlin. Während Melanie Sitzungen besuchte, kümmerte sich ihr Mann um das Baby – inklusive spontaner „Still-Logistik“ im Bundestag. Zwei weitere Kinder kamen während ihrer Amtszeit zur Welt. Tochter Carla begleitete die Mutter später allein nach Berlin, unterstützt von einer Nanny in den Sitzungswochen. Selbst kurz nach der Geburt ihres dritten Kindes Oskar war Politik plötzlich wieder präsent: Die Berliner Koalition zerbrach, der Wahlkampf begann früher als erwartet.
„Ich lag im Wochenbett mit Baby auf dem Arm und habe E-Mails geschrieben“, erzählt Melanie. Dramatisch klingen will sie dabei nicht. Vielmehr beschreibt sie eine Haltung, die sie geprägt hat: ruhig bleiben, Lösungen suchen, weitermachen.
Diese Mischung aus Pragmatismus und Resilienz zieht sich durch das Gespräch. Melanie Wegling spricht offen darüber, warum sie Politik bewusst ohne „Pokerface“ machen wollte. Keine Floskeln, keine austauschbaren Phrasen. Stattdessen Ehrlichkeit – auch gegenüber Schulklassen oder Bürgerinnen und Bürgern, die Politik oft zuerst an ganz konkreten Dingen messen: am kaputten Brunnen, nicht gemähten Wiesen oder fehlenden Investitionen vor Ort.
Gerade deshalb fordert sie mehr Unterstützung für Städte und Gemeinden. „Menschen merken vor Ort, ob das System funktioniert“, sagt sie. Wenn Kommunen finanziell „verdursten“, schade das langfristig auch dem Vertrauen in Demokratie.
Auch beim Thema Gleichberechtigung findet Wegling klare Worte. Trotz ihrer politischen Laufbahn und persönlichen Erfolge sei sie überzeugt: „Wir sind noch nicht da, dass Frauen alles genauso einfach erreichen können wie Männer.“ Dass sie sich selbst als Feministin bezeichnet, sei deshalb kein Etikett, sondern Haltung.
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Und würde sie noch einmal für den Bundestag kandidieren? Die Antwort fällt offen aus. Der Job sei „der coolste der Welt“ gewesen – gleichzeitig genieße sie heute bewusst die Zeit mit ihrer Familie.
Vielleicht ist genau das die Erkenntnis dieses Gesprächs: Politik ist persönlich. Und manchmal beginnt sie dort, wo jemand versucht, Familie, Verantwortung und Haltung gleichzeitig unter einen Hut zu bekommen.
Das komplette Interview mit Melanie Wegling gibt‘s überall, wo‘s Podcasts gibt: @druckreif
Viel Spaß beim Hören!
Druckreif – das Redaktionsgespräch
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Do, 02.07.2026 | Anzeigenschluss » Fr, 26.06. (16 Uhr) | Redaktionsschluss » Mo, 29.06. (16 Uhr)
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