Rathaus und ehemaliger Schulplatz 1950 (Foto HGV)
Heimat- und Geschichtsvereins Bischofsheim – Auf der Jahreshauptversammlung des HGV hielt Bernd Schiffler einen Vortrag über die Gemeinde Bischofsheim im Gründungsjahr des Vereins (1950). Hier die gekürzte Fassung:
Bischofsheim erstreckt sich von Am Mainweg bis zur Friedrich-Ebert-Straße und Freiligrathstraße, der Eisenbahn und der Rüsselsheimer Straße sowie der Mainzer Straße und Am Himmelspfad und hat 7.890 Einwohner. Geflüchtete aus Ostpreußen, Oberschlesien und Sudeten, sowie Kriegsrückkehrer, aber auch neue Arbeitskräfte für den Wiederaufbau von Opel, der MAN und der Eisenbahn sorgen für einen steten Bevölkerungszuwachs. Der Gemeinderat besteht aus SPD (7 Sitze), CDU (5), Bischofsheimer Bürgerblock BBB (5) und KPD (1). Bürgermeister ist der beherrschende Kommunalpolitiker Karl Graf (SPD). Die Vorortfrage zu Mainz, hier die Rückgabe des Eigentums an Straßen, Gebäuden und Grundstücken, ist weiter strittig.
Am Schulplatz wird ein Springbrunnen gebaut. Als April-Scherz schreibt der Lokal-Anzeiger, dass am 1. April erstmals der Springbrunnen, dessen Wasserstrahl eine Höhe von 20 Meter erreicht, eröffnet würde. 40 cm große Plastikbälle würden bis zu 15 Meter hochgetrieben werden und dort tanzen.
Das Vereinsgeschehen wird durch eine Vielzahl von Vereinen und Organisationen aus Sport, Kultur und Gesellschaft geprägt. 1950 zählt der Ort 18 Vereine. Die SV 07 und die drei Gesangvereine, „Germania“, „Liederkranz“ und „Eintracht“ sind am aktivsten. Der Turnverein kann seine Halle wieder einweihen.
Feiern, Essen, Trinken und Tanzen, Freunde treffen und Abschalten vom Alltag ist das liebste Kind der „Bischemer“. Großes auf die Beine stellen, gelungene Veranstaltungen, Jubiläumsumzüge durchs Ort, besser sein als Ginsheim, das ist die Einstellung und Aufgabe. Das Feiern gliedert das Jahr, erst die Fastnachtszeit, gefolgt von der „Bischemer Kerb“ in den Festsälen, Gaststätten und auf dem Kerweplatz und dann die Konzerte der Gesangvereine und die Vereinsbälle. Bischofsheim verfügt über sechs größere Säle für Veranstaltungen, der Saalbau Srocka und Saalbau Schad in der Bahnhofstraße, Adler-Saal in der Untergasse, Saal Wiesenecker in der Darmstädter Straße, die Turnhalle des Turnverein 1883 in der Rheinstraße und der Saal der Gastwirtschaft Willi Klein in der Gartenstraße.
Drei Gruppen Kerweborschgruppen und einige Kerwegesellschaften richten die Kerb aus. Der Ort ist aufgeregt, mit Fähnchen geschmückt und riecht nach Quetschekuchen. Auf dem Kerweplatz an der Gutenberg-Schule bauen die Schausteller ihre Attraktionen auf. 1950 sind es Osterod’s Riesen-Schießhalle, Schneider’s Salon-Schiffschaukel, Lersch’s Kinder-Sportkarussell und eine Orientschau sowie Zuckerstände und Verkaufsgeschäfte. Die Haupt-Attraktion ist Bornhäuser’s Benzin-Auto-Rennbahn.
„Liederkranz“ und „Germania“ führen Operetten auf. Nach der Ballsaison mit Vereinsbällen von Freiwilliger Feuerwehr, der Landwirte, SV 07, Stenografenverein, Ortsgewerbe- Turn- und Geflügelzuchtverein und der Heimatvertriebenen sowie der Kapelle Frieß endet das Jahr 1950.
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