Erst gebetet, dann geraucht und getanzt

Bert und Cornelia Haus erinnern sich an (Schwieger-)Vater Heinz Langer

Demnächst würde er 100 Jahre alt werden, der Papa, der Lehrer, der Künstler. Die Hinterlassenschaften von Heinz Langer umfassen ein großes Werk nach kurzem Leben. Grund genug, nach einem Besuch bei der jüngeren Tochter Angelika auf deren Bauernhof in der Eifel auch mit der Erstgeborenen Cornelia in ihrem Reihenhaus in Hochheim zu sprechen. Auch sie kann sich gut an ihn erinnern, „wenn er denn überhaupt zu Hause war“. Dann konnte er „sanft und lieb“ sein, humorvoll, aber auch nachdenklich. Seine ganze Aufmerksamkeit habe er aber der Kunst gewidmet. 

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Kunst im Garten und im Urlaub, beim Malkasten und in Stephanshausen

Kaum waren sie in Italien oder Spanien im Urlaub, gab es auch schon die ersten Aquarelle einer Landschaft in Ligurien oder eines Dorfes an der Costa Brava. „Sein Ein und Alles war aber Stephanshausen!“ Im Taunus hatte er ein Domizil, das Künstleratelier und Ferienhaus zugleich war. Auf Vermittlung des früheren Bürgermeisters von Bischofsheim, Otto Sutter, kam es dort zu einem Refugium für Freunde und Familie. Viele Bilder zeugen davon. Auch von den Klassenfahrten mit seinen Schülerinnen und Schülern, nach Kappl, Grainau und Grindelwald, am Wilden Kaiser oder in Fischen im Allgäu. Im Garten in der Bischofsheimer Friedrichstraße baute sich der Vater ein kleines Atelier. Und dort habe er sich nach dem Schulunterricht zurückgezogen, bevor es abends in den Rüsselsheimer „Malkasten“ ging, jener Künstlervereinigung, bei der Heinz Langer viele Jahre „zu den treibenden Kräften“ gehörte, wie es auf deren Website nachzulesen ist. „Dort traf er auf Geleichgesinnte“, erzählt die Tochter, aus Kollegen wurden Freunde, aus dem individuellen kreativen Wirken seien kollektive Ereignisse geworden. „Bei den Ausstellungen mussten wir mit“, bei den legendären Maskenbällen „waren wir bei Oma zu Hause“. 

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Beten und Tanzen beim Beat mit Bert

Von dort wollte Cornelia Langer aber schon früh weg. Im Katholischen Jugendheim in der Darmstädter Straße traf sie beim Beat auf Bert, und der wurde ihr Ehemann. Bert Haus weiß um die Geschichte des Treffpunktes, das von Schwester Josepha mit Pfarrer Eckes initiiert und unter anderem mit Hohlblocksteinen von den Baustellen im Klinker errichtet wurde. „Erst haben wir gebetet, dann geraucht, getanzt und so weiter“, sagt er mit einem Grinsen im Gesicht. 1969 wurde geheiratet, auch kirchlich, auf Bitten des Vaters, der für die Hochzeitsreise den Kofferraumdeckel des Käfers mit „Just married“ bemalte.

Cornelia und Bert Haus haben zwei Kinder und zwei Enkel. Sie wollte Fotografin werden, lernte unter anderem bei der Drogerie Becker, er war Kriminalhauptkommissar und für „Mord und Totschlag“ zuständig. Auch ihm ist es zu verdanken, dass in Kisten und Kasten Dokumente für die Nachwelt gesichert werden konnten, die Auskunft über das Werk des Schwiegervaters geben. Ja, Heinz Langer habe auch kommerzielle Aufträge akquiriert. Neben Urkunden und Plakaten schuf er Karikaturen und Comics für Zeitungen, Kino-Dias, Schulwandkarten, Reklameschilder, Werbeprosekte und die Getränkekarte für den legendären „Canadian Club“ in Rüsselsheim. Einmal war er auch in Diensten der Kriminalpolizei tätig und rechnete die „Anfertigung mehrerer Kopfzeichnungen nach Zeugenbeschreiben zu Fahndungszwecken“ ab.

Bert und Cornelia Haus, geborene Langer, freuen sich auf die Ausstellung des Heimat- und Geschichtsverein zusammen mit der Bücherei Bischofsheim am 19. November um 18.30 Uhr anlässlich des 100. Geburtstages von Heinz Langer.

 

Professor Dr. Wolfgang Schneider


neuesausdermainspitze.de // 23.10.2025