Gut leben mit Demenz

Singen gegen das Vergessen

Mit Volksliedern, Schlagern und Popsongs Erinnerungen wecken: Rund 75 Menschen folgten am 12. Oktober der Einladung der Initiativgruppe „Gut leben mit Demenz in GiGu“ zum offenen Rudelsingen in der Evangelischen Kirche Gustavsburg. Die Zusammenkunft richtete sich an Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen und alle, die gerne singen.

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Unterstützt wurde die Veranstaltung vom Seniorenbüro der Stadt und der Evangelischen Kirchengemeinde Gustavsburg. Pfarrer Marcus Bahnsen eröffnete den Nachmittag mit besinnlichen Worten und dem Lied „Basket“ von Dan Mangan. Der kanadische Musiker vergleicht darin die Erinnerung mit einem Korb, der im Verlauf einer Demenz zerfällt – und mit ihm die gesammelten Erinnerungen. Bahnsen ergänzte: „Vielleicht gehen auch uns Erinnerungen verloren, vielleicht sogar sehr liebgewonnene. Aber ich habe die Hoffnung, dass durch Zusammensein und gemeinsames Singen etwas Gutes entsteht.“

 

Musik kennt kein Vergessen

Doris Klingler von der Initiative betonte: „Wir möchten ein Zeichen setzen – für ein Miteinander, für Teilhabe, für Verständnis und eine demenzfreundliche Gesellschaft.“ Ziel des Nachmittags unter dem Motto „Singt alle mit uns – Musik kennt kein Vergessen“ war es, Erinnerungen zu wecken oder neue entstehen zu lassen.

 

Singen, Klatschen, Erinnern

Der ehemalige Musiklehrer Lutz Weusmann begleitete die 19 Lieder mit Gesang und Gitarre. Die Texte lagen zum Mitsingen aus – von „An der Nordseeküste“ über „Die Gedanken sind frei“ bis „It’s a heartache“ war für jede Altersgruppe im Publikum etwas dabei. Es wurde geschunkelt, geklatscht, gelächelt. Am Ende zogen die Veranstalter ein positives Fazit – und sie können sich gut vorstellen, das Format fortzusetzen.

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Starke Initiative – bald als Verein

Die Gruppe besteht aus zehn Ehrenamtlichen, die sich für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen engagieren. Ein zentrales Ziel ist die Gründung einer Demenz-Wohngemeinschaft. „Diese Wohnform kann helfen, Zurückgezogenheit und Vereinsamung zu überwinden“, erklärte Initiator Georg Pape im Vorfeld der Veranstaltung. Die Notwendigkeit sei groß, da immer mehr Menschen von Demenz betroffen seien. Mit Blick auf den langwierigen Prozess der Anerkennung als gemeinnütziger Verein zeigte sich Pape von den Behörden enttäuscht: „Trotz anwaltlicher Beratung mussten wir dem Finanzamt drei Satzungsentwürfe vorlegen.“

Inzwischen zeichnet sich jedoch eine Lösung ab: Nach einer letzten kleinen Änderung wird das Finanzamt die Gemeinnützigkeit anerkennen – der Vereinsgründung steht nun nichts mehr im Weg.

Ingrid Komossa



neuesausdermainspitze.de // 23.10.2025