Von der Schwarzmeerküste an die Ufer von Rhein und Main

Zeynep Toprak-Özbayrak Heimat ist da, wo ihr Zuhause ist

Als wir uns das letzte Mal begegnet sind, gab es ein Frühstücksbüfett mit türkischen Spezialitäten. Der Heimat- und Geschichtsverein hatte geladen und die Gäste der Matinee im Rahmen der „Interkulturellen Wochen“ hatten das Vergnügen, dem Gespräch zum Thema „Türkisch und Deutsch, wie geht das?“ über Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu folgen. Jetzt treffe ich Zeynep Toprak-Özbayrak in der Krone, Bischofsheims ältestem Gasthaus. Und sie ist die neue Chefin, zapft Bier vom Fass, trinkt aber selbst lieber einen Tee. Es gibt eine umfängliche Getränkekarte, von „Jacky Cola“ bis zum „Äppler“ aus dem Odenwald. Diese ist handschriftlich ergänzt mit dem türkischen Nationalgetränk „Raki“, ein Schnaps aus Rosinen und Anis, mit einem Alkoholgehalt von fast 50 Prozent. Der Geschmack ist nach „Duden“ „lakritzähnlich“.

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Die Namen der Liebsten als Tätowierung

Zeynep erzählt mir ihre Geschichte. Geboren 1982, „in einem Katholischen Krankenhaus am Totensonntag“ in Wiesbaden, Großvater und Vater waren „Gastarbeiter“ bei Opel, ihre Mutter Diplom-Schneiderin. Nach der Höheren Handelsschule machte Zeynep eine Ausbildung als Rechtsanwaltsfachangestellte und ist seit nunmehr 25 Jahren in einer Kanzlei halbtags angestellt. 2003 heiratet sie und bekommt Tochter Rabia, die in Teilzeit als Erzieherin in der Kindertagesstätte im Klinker arbeitet und „Soziale Arbeit“ an der Evangelischen Hochschule Darmstadt studiert. Dann kommt die Scheidung, und es beginnt ein neues Leben mit einem neuen Mann: Deniz Toprak. Sie zeigt mir ihre Tätowierungen am Unterarm, alle ihre Liebsten sind hier verewigt, auch die beiden gemeinsamen Kinder Leyla und Deniz-Mirali.

 

Kiosk, Krone und noch ein Geschäft

2018 gründet das Ehepaar den „Kiosk Deniz“ in der Mainzer Straße, danach ziehen sie in den Hessenring und pachten 2023 die „Krone“. Geht das? Ja; denn der Kiosk habe von 9 bis 23.45 Uhr geöffnet, „und um Mitternacht kommt Deniz in die Kneipe und würfelt mit den Gästen“. Auch Zeynep steht gelegentlich hinter der Theke, an Kerb auch schon mal „rund um die Uhr“. Man darf dort Rauchen und Dart spielen; geschlossen wird, wenn der letzte Gast geht. „Ich brauche die Arbeit“, sagt Zeynep und berichtet voller Stolz von einem weiteren Projekt, im ehemaligen „Bäckerladen“ um die Ecke. Dort entsteht ein „Takeaway“-Geschäft, „nein, kein Döner und keine Pizza“, sondern „Chicken & Bowls“, selbstverständlich mit Lieferdienst.

 

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Fastenbrechen und Weihnachtsbaum

Zeynep war gerade in den Herbstferien mit den Kindern 2000 Kilometer in der Heimat ihrer Vorfahren mit dem Auto unterwegs, von der Schwarzmeerküste über Istanbul bis nach Izmir. „Meine Heimat ist da, wo ich Zuhause bin, also in Bischofsheim“, sagt sie und erzählt vom „Spagat im Islam“, sie als Sunnitin, ihr Ehemann als Alevit, von gemeinsamen Moscheebesuchen, vor allem von den familiären Feiern beim Fastenbrechen. Aber auch an Weihnachten gäbe es Geschenke „und einen Baum“, der sei zwar weiß geschmückt, „eben ein muslimischer“, scherzt sie. 

 

Mitten im Ort und mitten unter Menschen 

Zeynep erzieht ihre Kinder zu Toleranz und pflegt die Integration. Die belegen Kurse bei den „Farben-Füchsen“ und werden in der chinesischen Kampfkunst „Wing Chun“ unterrichtet. Der Jüngste spiele Fußball und der Papa sponsort hiesige Sportvereine. „Wir kennen viele Einheimische“ und das sei ihnen wichtig, mitten im Ort zu sein und mitten unter Menschen.

 

Professor Dr. Wolfgang Schneider


neuesausdermainspitze.de // 06.11.2025