Er diente unter sieben Bürgermeistern, war Angestellter im Einwohnermeldeamt, im Gewerbeamt, im Fundbüro, im Wohnungsamt, bei der Gebäudebewirtschaftung und schließlich in der Kulturverwaltung tätig. Zur Verabschiedung habe ich mir erlaubt, ihm ein paar Zeilen zu widmen:
„Er geht, wer hätte das gedacht,
hat’s siebenundvierzig Jahr‘ gemacht.
Dietmar Zaia lernte und er kann‘s,
Bürokratie beim Dorre Hans.“
Am letzten Arbeitstag Ende August erinnert er sich an seinen Start, nach einer Aufnahmeprüfung, bei der er einen Aufsatz zum Thema „Die Bedeutung des Sports in unserer Gesellschaft“ schreiben musste. Zusammen mit Ellen Wolf (heute verheiratete Ribbe) wurde er Lehrling und vom damaligen Bürgermeister per Handschlag und mit den Worten begrüßt: „Heute beginnt ein neuer Abschnitt in Ihrem Leben!“
Fußball und Rollhockey
Als einziger Sohn von Aenny und Günter Zaia, „einem katholischen Mädchen und einem evangelischen Flüchtling“, wurde er 1961 geboren. Die Großeltern hießen noch Czaya, stammten aus Niederschlesien und lebten bis zur „Ausreise“ in der DDR. Der Opa hatte zwar die goldene SED-Nadel, wurde aber immer mit dem kurzen Satz zitiert: „Das wird hier nix!“ Der Vater war Postbeamter und „Dienststellenleiter“, die Mutter war bekannt für ihre Schneiderkünste. Wilhelm Hamann von der Sportvereinigung 1907 vermittelte der Familie eine Bleibe „Vor der Pforte“ und brachte Vater und Sohn bei den Fußballern unter. Dietmar Zaia berichtet: „Alle Schüler- und Jugendmannschaften habe ich aktiv durchlaufen, bis ich das Abenteuer Rollhockey entdeckte.“ 1983 war er Mitgründer der Ortsgruppe „Frisch auf“ beim Rad- und Kraftfahrerbund „Solidarität“ in Gustavsburg und spielte sogar in der 2. Bundesliga-Süd.
Crewe & Nantwich und Dzierzoniow
Wir sitzen in Paterre der ehemaligen Spelzengaß-Schule, heute lapidar „Rathaus 2“ genannt. Im Büro hängt ein Schild mit der Aufschrift „Heimat- und Kulturpflege“, das hat Dietmar Zaia mit der Stelle ebenso geerbt wie die Zuständigkeit für die Kerb, die Seniorennachmittage und vor allem für die Städtepartnerschaft. „34mal war ich in Crewe & Nantwich, mal dienstlich, mal privat.“ Und im Frühjahr mit der neuen Bürgermeisterin in Dzierzoniow. Er erinnert sich an Hilfsgüterlieferungen nach Polen, an den Austausch mit dem „Cheshire Fire Service“ und den zahlreichen Jubiläumsveranstaltungen aller drei europäischen Kommunen. Persönliche Geschenke von den Gästen werden ebenso in Ehren gehalten, wie alle rot-weißen Devotionalien in seinem Arbeitszimmer, die auf seine Treue als Fan von Kickers Offenbach hinweisen.
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Volkspank und Jugendprotest
Und dann packt er noch ein paar Dokumente aus seiner jugendlichen „No Future-Zeit“ aus. „Volkspank“ hieß seine Band, „Nazis raus“ war einer ihrer Hits. Noch immer ist er stolz auf sich und seine Freunde, die es immerhin zu sechs Ausgaben eines alternativen Magazins geschafft haben. Im „Bischemer Espress“ ging es Anfang der 1980er Jahre rund um den „Jugendtreff“ in der Kasteler Straße um Protest, für „Ein Leben ohne Waffen“ und gegen „Mad Donalds“, um Ausländer und ihre Wohnverhältnisse, um den Erhalt des Wasserturms, dubiose Spielertransfers bei den Fußballvereinen und eine intransparente Vergabe von Eintrittskarten bei der „Närrischen Achse“.
Wir werden jäh von der „Alarmglocke“ der Warn-App unterbrochen; „Böschungsbrand“, erklärt mir Dietmar Zaia ungerührt und muss weg. Und es gäbe doch noch so viel zu berichten, von seinem Engagement für die Freiwillige Feuerwehr, für den „Kultursommer“ sowie über seine Sammelleidenschaft von Zinnfiguren, mit der er zu Hause ein Diorama der Schlacht bei Waterloo nachgebaut hat und über die (Reise-)Pläne als Rentner mit seiner Ehefrau Patricia und Sohn Lenny. Nach dem Abfeiern all der Überstunden beginnt zum 1. Januar wieder einmal ein neuer Abschnitt in seinem Leben.
Professor Dr. Wolfgang Schneider
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