Was für eine Karriere: Vom Hannoveraner Knabenchor zu den Mainzer Hofsängern! Das dreifach donnernde „Helau“ musste er ebenso lernen, wie die Tatsache, dass Fastnacht keineswegs mehr nur an einem Dienstag vor der Fastenzeit stattfindet. Und schon am 11.11. beginnt und in diesen Wochen in Sälen und auf der Straße so richtig Fahrt aufnimmt. Dietmar Kleinort berichtet mir von mehr als 60 Auftritten, die er als Aktiver bestreitet. Denn die „Hofsänger“ sind seit nunmehr 100 Jahren ein Markenzeichen der Fastnacht in Mainz und nicht nur bei der traditionellen Fernsehsitzung am Fastnacht-Freitag gefragt.
Programmatische Probe mit den „Jackson Five“ und den „Wise Guys“
2022 sieht der junge Niedersachse zum ersten Mal „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ und folgt einem Aufruf der Chorgemeinschaft. Dietmar Kleinort bewirbt sich mit zwei Liedern und wird zum Casting geladen: „I’ll be there“, das mit Michael Jackson und seinen vier Brüdern ein Hit wurde, und „Wie kann es sein“ der A-Capella-Band “Wise Guys”. Dass die Auswahl geradezu programmatisch ist, wird ihm erst nach der Zusage für eine Probejahr bewusst: „You and I must make a pact“ und „Alles, was ich brauche, bist du“. Die Entscheidung traf die gesamte Sängerschaft und der Tenor, Jahrgang 1991, wurde einer der jüngsten Hofsänger. Und blieb es. „Denn wenn man Fastnacht überstanden hat, dann wird man genommen.“
Neue Heimat über dem „Salon Sieben“
Es war wohl schon ein kleiner Kulturschock, von der Leine an den Rhein zu ziehen. Aber es war der Liebe wegen. Nach dem Abitur in Hannover und ersten gesanglichen Erfahrungen mit der Schulband sowie im Knabenchor studierte er in Lüneburg Lehramt, wird Ausbilder beim Technischen Hilfswerk und in der Oberfinanzdirektion in Frankfurt am Main Fortbilder für E-Learning. Er lernt Rebecca Kleinort kennen, die in Bischofsheim im Hause des Friseur-„Salon Sieben“ der Großeltern in der Schillerstraße geboren wurde und lange in Hamburg gelebt hat. „Unser erster Spaziergang führte über den Ortsdamm ins Eiscafe.“ „Und meine erste Lektion in Dialekt“ erhielt der Neu-Bischemer beim 80. Geburtstag von Malermeister Norbert Haus, dessen Tochter die Patin seiner Frau ist.
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Im blauen Kostüm des „Bajazz“ mit gelben Bommeln
Bei den „Happy Voices“ war er einer der wenigen Männerstimmen, er spielt gerne Volleyball, engagiert sich im Ortsverein der SPD und freut sich auf die freitäglichen Tanzabende in der Turnhalle. Zurzeit sieht man ihn im blauen Kostüm des „Bajazz“ mit gelben Bommeln und Mütze, beim MCV und der Prinzengarde, in der Rheingoldhalle und im Schloss. Nach intensiven Proben steht das Repertoire und der finale Höhepunkt ist vorprogrammiert. Und das war schon vor Jahrzehnten so unter dem langjährigen Dirigenten Karl Hans Frieß aus Bischofsheim. Nach „Ole, ole Fiesta“ ertönt die Hymne „So ein Tag, so wunderschön wie heute“, gefolgt von „Sassa“ aus der Operette „Maske in Blau“. Die Mainzer Hofsänger können aber auch anders und das wird bei einem Konzert anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Christkönigskirche demnächst zu hören sein.
Professor Dr. Wolfgang Schneider
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