Energie ist mehr als eine Maßeinheit. Sie ist Antrieb, Haltung und manchmal auch Mut. In Ginsheim lebt ein Mann, der diese Energie nicht nur misst, sondern lebt: Wolfgang Friedrichs, Privatmann, Tüftler und jemand, der seine ganz eigene Energiewende betreibt – direkt vor der Haustür.
Wolfgang Friedrichs ist, wie er selbst sagt, „ein bisschen ökologisch angehaucht“. Doch aus diesem „bisschen“ ist über die Jahre ein klares Ziel geworden: die vollständige Unabhängigkeit von externer Energieversorgung. Gas? Geschichte. Konventionelle Lösungen? Für ihn nur ein Anfang, kein Endpunkt. Seine neueste Idee zeigt, wie viel kreative Energie in einem einzelnen Menschen stecken kann: ein sogenannter Energiezaun.
Was aussieht wie geflochtene Schläuche, ist in Wahrheit ein still arbeitendes Kraftwerk. Auf 15 Metern Länge erzeugt der Zaun rund 15 Kilowatt Leistung – genug, um das Haus zu beheizen. Der Zaun sammelt Energie aus drei Quellen gleichzeitig: aus der Luft, aus dem Regenwasser und aus dem Erdboden. Energie, die sonst verpuffen würde, wird hier eingefangen, gebündelt und nutzbar gemacht.
Der Zaun arbeitet im Verbund mit einer im Haus installierten Wärmepumpe. Insgesamt verlaufen 71 Rohre, jeweils 15 Meter lang, teils sichtbar, zu einem Drittel im Boden vergraben. Durch sie fließt ein Wasser-Glykol-Gemisch, eine sogenannte Sole. Nach dem umgekehrten Kühlschrankprinzip wird der Umgebung Wärme entzogen, zur Wärmepumpe geleitet und dort auf ein höheres Temperaturniveau gebracht – genug, um Heizkörper und Warmwasser zu versorgen.
Diese Form von Energiegewinnung ist effizienter als eine klassische Luft-Wasser-Wärmepumpe, erfordert aber auch mehr Einsatz. Erdarbeiten, Gräben, Leitungen ins Haus: Der Energiezaun verlangt körperliche Arbeit und planerische Energie. Doch genau darin liegt für ihn auch der Reiz.
Der Zaun ist keine Eigenkonstruktion, sondern ein maßgefertigtes Produkt eines kleinen Familienbetriebs aus Bielefeld. Mit rund 1000 Euro pro Meter ist er keine Kleinigkeit – aber für Wolfgang eine Investition in die Zukunft. Seine frühere Gaszentralheizung inklusive Warmwasserversorgung hat er komplett entfernt. Das Haus ist nun gasfrei.
Am Ende geht es Wolfgang Friedrichs nicht nur um Technik, sondern um Haltung. Sein Wunsch: dass sich mehr Menschen mit regenerativen Energien beschäftigen. Energie, so zeigt sein Zaun, beginnt im Kopf. Wer bereit ist, neue Wege zu gehen, findet oft eine Lösung, die genau passt – für das eigene Haus und vielleicht auch für eine energiereichere Zukunft für alle.
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