Frauen-Power gegen die Männer-Domäne in der Kommunal-Politik

Die frühere Gemeindevertreterin Ursula Morgenstern wird 80

Geboren wird sie im Nachkriegsjahr 1946 am 5. März in Neuwied. Die Mutter war Hausfrau, der Vater Fleischbeschauer in der französischen Besatzungszone. Und das sei in dieser Zeit des Mangels das Beste gewesen, was der Familie passieren konnte. „Wir hatten immer genug zu essen“, erzählt mir Ursula Morgenstern, die ich anlässlich ihres 80. Geburtstages besuchen durfte. Wir kennen uns aus der Kommunalpolitik. Und sich zu dort zu engagieren, hatte bei ihr Tradition: Der Vater war „ein Mann der Freiheit“ und damals Mitglied der FDP, ihr Bruder lange Jahre für die SPD Ortsvorsteher und sie trat in Bischofsheim in die CDU ein.

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Nach einer Töpferlehre und einem Studium der Sozialpädagogik kommt sie mit ihrem Mann ins Rhein-Main-Gebiet. Der Diplom-Ingenieur Rolf Morgenstern fand eine Anstellung bei der hiesigen „Rhein-Bau“ und das junge Paar zog in eine „Dienstwohnung“ in der Königsberger Straße. Kurz nach der Hochzeit kam die Tochter Eva zur Welt, drei Jahre später ihre Schwester Sonja. Beide machten ihre Eltern im Lauf der Zeit mit acht Enkeln zu Großeltern. Weil es in der Familie so üblich war, wurden die beiden Kinder katholisch getauft. „Aber wegen zunehmender Unzufriedenheit mit dem Personal auf Erden“ trat Ursula Morgenstern aus der Kirche aus. 

 

Ein Anruf bei der Gemeinde klärte sie über die politischen Verhältnisse auf. „Ich entschied mich für die kleinere Partei“, sagt sie. Heinrich Eberlei war damals der Vorsitzende und begrüßte sie mit einem Zitat aus dem vier Jahrhunderte alten Choral „Wie schön leuchtet uns der Morgenstern!“ Und da war ihr schon klar, „einfach wird’s nicht“, wenn „man“ sie als Frau mit „der“ Morgenstern anspricht. „Die alten Herren brachten mich manchmal zur Verzweiflung“, resümiert sie ihr politisches Engagement. Aber zusammen mit Erika Weiler und Ingeborg Lustenberger habe die nötige Frauen-Power gelegentlich der Männer-Domäne die Stirn geboten. 

 

Früher war mehr Respekt

1977 wird sie in die Gemeindevertretung gewählt und es war ein guter Rat ihres Mannes gewesen: „Geh‘ in den Haupt- und Finanzausschuss!“. Denn: „Alles läuft auch in der Kommunalpolitik über’s Geld“. Ursula Morgenstern berichtet von der Dominanz des damaligen Bürgermeisters Hans Dorr, „der keine Widerworte duldete“, und vom Machtanspruch der Genossen Willi Nutz und Werner Hund. Man habe sich gerne gestritten, „aber hinterher bei einem Bier in der Ratsstube auch wieder zusammengefunden“. In der Rückschau, aber auch mit Blick auf die derzeitigen Auseinandersetzungen unter den Parteien, konstatiert sie: „Früher war der Umgang mehr von Respekt geprägt!“

 

Ursula Morgenstern erinnert sich gerne an die Fahrten in die polnische Partnerstadt Dzierzoniow. Dort habe sie in der kalten Jahreszeit von der SPD einen roten Schal geliehen bekommen und wurde danach gefragt, ob er wenigsten ein bisschen abgefärbt hätte. Ihre Antwort zeugte von Schlagfertigkeit: „Leider nein, aber gewärmt!“ Gefragt wurde sie auch einmal von den Grün-Alternativen, ob sie nicht Kandidatin für das Bürgermeisteramt werden wolle. Und lehnte dankend ab. Dafür engagierte sie sich zudem in Vereinen sowie in den Elternbeiräten für den Kindergarten und die Grundschule. Gemeinde und Gemeinschaft müssen für Junge und Alte etwas bieten, es gelte Möglichkeiten zu schaffen, sich zu treffen, in Kneipen, bei Kerb oder im Kultursommer. Denn Bischofsheim sei wahrlich lebenswert, „wenn wir alle was dafür tun“.

 

Professor Dr. Wolfgang Schneider


neuesausdermainspitze.de // 26.02.2026