Miteinander in der Mainspitze

Für Demokratie, Dialog und Zusammenhalt

Wenn Thomas Adamczak Gedichte vorträgt, geht es ihm nie nur um Worte. Es geht ihm um Begegnung. Manche kennen ihn von der Verlegung der Stolpersteine in Ginsheim, wo er mit eindringlicher Lyrik an die Opfer der NS-Zeit erinnerte. Andere sind ihm vielleicht schon am Altrhein begegnet, wo er Passanten spontan fragt: „Mögen Sie Gedichte?“ – und so ins Gespräch kommt.

Diese Haltung zieht sich durch sein Engagement: Zuhören, ins Gespräch kommen, gemeinsam nachdenken. Genau darum geht es auch bei der Initiative „Miteinander in der Mainspitze“, in der sich Thomas engagiert.

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Die Initiative wurde Anfang 2024 ins Leben gerufen. Auslöser waren die bundesweiten Demonstrationen nach dem bekannt gewordenen Treffen von Rechtsextremisten in Potsdam. Fast eine Million Menschen gingen damals in Deutschland auf die Straße, um ein Zeichen für Demokratie und gegen extremistische Ideologien zu setzen.

Auch in der Mainspitze entstand der Wunsch, nicht nur zuzuschauen, sondern vor Ort aktiv zu werden. Eine zentrale Rolle spielte dabei Bergith Heydekamp vom Verein „Lebensalter“, einem generationsübergreifenden Wohnprojekt in der Schillerstraße. Die Idee: Ein Netzwerk schaffen, das deutlich macht, wie wichtig Zusammenhalt, Dialog und gegenseitige Anerkennung für unsere Gesellschaft sind.

Gerade jetzt – kurz vor der Kommunalwahl am 15. März – ist dieses Anliegen für die Initiative besonders wichtig. „Wir möchten ermutigen, demokratische Parteien zu wählen“, sagt Thomas Adamczak. Ziel sei es, dialogbereite und kooperationsfähige Kräfte zu stärken und zu verhindern, dass extreme Positionen in der Kommune an Einfluss gewinnen.

 

Vom Wohnprojekt zur Bürgerinitiative

Was im Kleinen im Wohnprojekt „Lebensalter“ gelebt wird, soll im Großen wirken: Dort treffen sich rund 20 Parteien regelmäßig im Gemeinschaftsraum, frühstücken oder essen zusammen und kommen ins Gespräch. „So etwas müsste es eigentlich in jedem Wohnblock geben“, meint Thomas. Denn wo Menschen miteinander reden, schwinden Vorurteile schneller, und Hass und Hetze verlieren an Kraft.

Aus ersten Netzwerktreffen mit Vertretern von Parteien, Kirchen, Institutionen und engagierten Bürgerinnen und Bürgern entwickelte sich Schritt für Schritt ein tragfähiges Konzept. Herzstück ist der „Runde Tisch“, der inzwischen neunmal stattgefunden hat; das zehnte Treffen ist für den 19. März um 19 Uhr geplant. Zusätzlich bereitet ein Organisationsteam die Inhalte vor und entwickelt neue Ideen. Eine Vereinsgründung ist perspektivisch angedacht.

Zu den bisherigen Aktivitäten zählen unter anderem eine Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des Attentats in Hanau, ein Vortrag zu rechtsextremen Strategien, die Filmvorführung von „Tomorrow“ sowie ein Workshop mit den sogenannten „StammtischkämpferInnen“. Dort wurde ganz praktisch geübt, wie man auf hasserfüllte Aussagen reagieren kann, ohne selbst aggressiv zu werden – etwa durch Nachfragen statt Gegenangriffe. Ziel ist es, Gesprächsfäden nicht abreißen zu lassen, sondern Dialog zu ermöglichen.

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Vielfalt als Stärke

Das bunte Regenbogen-Logo der Initiative ist inzwischen an vielen Türen in der Mainspitze zu sehen. Es steht für Offenheit, Vielfalt und ein klares Bekenntnis zu demokratischen Werten.

Für Thomas Adamczak ist diese Vielfalt gelebter Alltag: im Krankenhaus, wo Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte unterschiedlichster Herkunft zusammenarbeiten; im Restaurant um die Ecke; in Schulen, in denen Kinder mit verschiedensten kulturellen Hintergründen gemeinsam lernen. Als ehemaliger Deutsch- und Politiklehrer hat er diese Vielfalt stets als Bereicherung erlebt.

Ausländerfeindlichkeit entsteht seiner Ansicht nach dort, wo Menschen anderen ihre Gleichwertigkeit absprechen. Dabei steht im Grundgesetz klar: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Für die Initiative ist das mehr als ein Satz – es ist ein Leitmotiv.

 

Offen für alle

„Miteinander in der Mainspitze“ versteht sich als offene Initiative. Jede und jeder kann mitmachen – durch die Teilnahme am Runden Tisch, durch Mitarbeit im Organisationsteam oder einfach durch Interesse und Austausch. Das Ziel ist ein langfristiger Beitrag zu einer lebendigen, wehrhaften Demokratie vor Ort. Ein „zartes Pflänzchen“, wie Thomas es nennt – das weiter wachsen soll. Gerade im Vorfeld der Kommunalwahl möchten die Mitglieder daran erinnern: Demokratie lebt vom Mitmachen. Vom Zuhören. Vom Respekt. Und vom Mut, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.



neuesausdermainspitze.de // 26.02.2026